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Vor 100 Jahren starb der Hauptmann von Köpenick

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© Fotos: Lothar Schulz 2019 – Grab von Friedrich Wilhelm Voigt auf dem Liebfrauenfriedhof in Luxemburg © Fotos: Lothar Schulz 2019 – Grab von Friedrich Wilhelm Voigt auf dem Liebfrauenfriedhof in Luxemburg

BERLIN/LUXEMBURG. Heute vor genau 100 Jahren starb Friedrich Wilhelm Voigt. Geboren wurde er am 13. Februar 1849 in Tilsit. Von Beruf war er Schuhmacher. Weltbekannt wurde der Hochstapler als Hauptmann von Köpenick. Als Hauptmann verkleidet besetzte er mit einem Trupp auf der Straße angetroffener gutgläubiger Soldaten, die sich durch seine Hauptmannsuniform täuschen ließen, in einer spektakulären Aktion am 16. Oktober 1906 das Rathaus der Stadt Cöpenick (seit 1931 Köpenick, ein Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick in Berlin). Voigt ließ den Bürgermeister verhaften und raubte die Stadtkasse. Diese Aktion ging als Köpenickiade sprichwörtlich in die deutsche Sprache ein und wurde vielfach künstlerisch verarbeitet. Besonders bekannt ist Carl Zuckmayers Theaterstück „Der Hauptmann von Köpenick“. Die Köpenickiade wurde mehrfach verfilmt u.a. mit Rudolf Platte und Heinz Rühmann in der Titelrolle. Ganz Deutschland lachte seinerzeit über den Geniestreich. Der Kaiser forderte sogar unverzüglich einen telegrafischen Bericht über die Affäre an. Ein großes Presseecho, eine Vielzahl lustiger Postkarten, Fotos und satirischer Gedichte machten die Episode in ganz Deutschland und auch im Ausland bekannt. Wilhelm Voigt wurde von der III. Strafkammer des Landgerichts II in Berlin „wegen unbefugten Tragens einer Uniform, Vergehens gegen die öffentliche Ordnung, Freiheitsberaubung, Betruges und schwerer Urkundenfälschung“ zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Am 16. August 1908 wurde Voigt von Kaiser Wilhelm II. begnadigt und vorzeitig aus der Haftanstalt entlassen. Nach seiner Haftentlassung bereiste er ganz Deutschland und trat in Lokalen und auf Jahrmärkten auf. In Sälen oder Zirkuszelten mimte er den Hauptmann von Köpenick und verkaufte Autogrammkarten mit Bildern, die ihn in Uniform oder in Zivil zeigten. Da er als meldepflichtiger Krimineller jedoch unter Polizeiaufsicht stand, musste Voigt immer wieder Belästigungen und sogar Verhaftungen durch die örtlichen Behörden über sich ergehen lassen. Am 1. Mai 1910 erhielt er einen luxemburgischen Ausweis und siedelte nach Luxemburg über. Nachdem die Häufigkeit seiner öffentlichen Auftritte abgenommen hatte, arbeitete er dort überwiegend als Kellner und Schuhmacher. Dank seiner Popularität brachte er es zu einem gewissen Wohlstand und gehörte zu den ersten Besitzern eines Automobils im Großherzogtum. Am 3. Januar 1922 starb Voigt im Alter von 72 Jahren, schwer gezeichnet von einer Lungenerkrankung und infolge von Krieg und Inflation völlig verarmt, in Luxemburg. Dort wurde er auf dem dortigen Liebfrauenfriedhof (Cimetière Notre-Dame) begraben. Der Friedhof liegt an der Allée des Résistants et des Déportés und kann mit der futuruistisch anmutenden Straßenbahn erreicht werden (Haltestelle Faïencerie). Für sein Grab stiftete 1961 der Zirkus Sarrasani einen Stein. Seit 1975 wird das Grab von der Stadt Luxemburg gepflegt. Auf Betreiben einiger Abgeordneter des Europäischen Parlamentes wurde der Grabstein erneuert. Er zeigt nun eine Pickelhaube und die Aufschrift „HAUPTMANN VON KOEPENICK“. Darunter steht in kleinerer Schrift „Wilhelm Voigt 1850–1922“, wobei hier das Geburtsjahr falsch angegeben ist. Die Stadt Luxemburg lehnte 1999 einen Antrag, die Überreste Friedrich Wilhelm Voigts nach Berlin umzubetten, ab.


© Foto: Lothar Schulz 2019 – Straßenbahn vor dem Liebfrauenfriedhof

© Foto: Lothar Schulz 2019 – Grab des Hauptmanns von Köpenick

© Foto: Lothar Schulz 2019 – Grab des Hauptmanns von Köpenick

© Foto: Lothar Schulz 2019 – Grab des Hauptmanns von Köpenick

© Foto: Lothar Schulz 2019 – Grab des Hauptmanns von Köpenick

© Foto: Lothar Schulz 2019 – Münzen auf demGrab des Hauptmanns von Köpenick

© Foto: Lothar Schulz 2019 – Münzen auf demGrab des Hauptmanns von Köpenick

© Foto: Lothar Schulz 2019 – Grab des Hauptmanns von Köpenick

© Foto: Lothar Schulz 2019 – Straßenbahn vor dem Liebfrauenfriedhof

© Foto: Lothar Schulz 2019 – Straßenbahn vor dem Liebfrauenfriedhof

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