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Kultur für alle! - Jahrestagung des Museumsverbandes Niedersachsen und Bremen e.V.

Kultur für alle! - Jahrestagung des Museumsverbandes Niedersachsen und Bremen e.V. Jahrestagung des Museumsverbandes Niedersachsen und Bremen e.V. in Celle (C) Museumsverband für Niedersachsen und Bremen e.V.

CELLE. Über 170 Vertreterinnen und Vertreter der Museumslandschaft, Mitglieder und Gäste des Museumsverbandes Niedersachsen und Bremen diskutierten auf der diesjährigen Jahrestagung in Celle über den Stellenwert der Museen in der gegenwärtigen Gesellschaft.Freizeitanbieter gibt es viele. Fast täglich wird über neue Einrichtungen berichtet. Für die Museen ergeben sich daraus nicht nur Herausforderungen, sondern auch zahlreiche Chancen. Doch wie gelingt es, ihre Stärken deutlicher zu formulieren und sich stärker zu positionieren? Was genau macht ein Museum aus und wie unterscheiden sich Museen von anderen Freizeitanbietern? Welche Vorteile bietet das Thema Digitalisierung in diesem Zusammenhang? Diese und weitere Fragen diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen Jahrestagung des Museumsverbandes für Niedersachsen und Bremen e.V. am heutigen Freitag. 

Nach der Begrüßung durch die Stadträtin der Stadt Celle, Susanne McDowell, eröffnete Dr. Sabine Johannsen, Staatssekretärin im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Veranstaltung. „Niedersachsen und Bremen sind reich an hochkarätigen kleinen und großen Museen, für die sich viele Menschen engagieren. Insbesondere kleinere Kultureinrichtungen stehen aktuell vor großen Herausforderungen: Gesellschaftliche Entwicklungen wie die Digitalisierung und der Rückgang ehrenamtlichen Engagements erfordern neue Formate und Ideen, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren und den Mut, neue, auch mal ungewöhnliche Wege einzuschlagen. Die Jahrestagung des Museumsverbands gibt hier wichtige Impulse“, so Staatssekretärin Dr. Johannsen. 

Daran anknüpfend stellte der Verband erstmals sein neues, umfassendes Qualifizierungsprogramm für kleine und mittlere haupt- und ehrenamtlich geführte Museen vor. Unter dem Dach „Die Museumsschule!“ will der Verband die Museen dabei unterstützen, sich zukunftsorientierter aufzustellen. Gemeinsam mit Staatssekretärin Dr. Johannsen, Lavinia Francke, Generalsekretärin Stiftung Niedersachsen und Dr. Stephan Lüttich, Abteilungsleiter Förderungen / Klöster & Stifte der Klosterklammer Hannover, hob Prof. Dr. Rolf Wiese, Vorsitzender des Museumsverbandes, die Bedeutung der kleinen Kultureinrichtungen für das Land Niedersachsen hervor. „In Niedersachsen und Bremen gibt es aktuell 557 Einrichtungen, die unter die Definition der kleinen und mittleren Museen fallen.

Das entspricht einem Anteil von knapp 78% an allen Museen in den beiden Bundesländern. 2017/18 hat der Museumsverband eine umfangreiche Befragung unter diesen 557 Museen durchgeführt. Ziel war es, herauszufinden, welche Bedürfnisse und Erwartungen in den Einrichtungen vorherrschen. Mit der Museumsschule! ist es uns gelungen, ein weitreichendes Qualifizierungsangebot zu entwickeln, das perfekt auf die Bedürfnisse der kleinen und mittleren Museen abgestimmt ist. U.a. möchten wir die Museen dazu anregen, partizipativ ihre personelle Situation zu verbessern, um mit verstärkten und geschulten Teams neues Publikum für ihr kulturelles Angebot zu gewinnen. Dadurch soll ihre langfristige Existenz gesichert werden“, erläutert Prof. Dr. Rolf Wiese. 

Im Anschluss daran führten zwei Impulsvorträge in das Tagungsthema „Neue Wege, neue Aufgaben – Museen als sozialer Raum“ ein. Die traditionellen Besucher der klassischen Kultureinrichtungen brechen langsam weg. Höchste Zeit also, ein neues Publikum anzusprechen und für sich zu gewinnen. Jugendliche sind dabei genauso wie die Migranten Bevölkerungsgruppen, denen als Kulturnutzer viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Dr. Doreen Götzky, Leiterin des Kreismuseums Peine, erörterte in ihrem Vortrag, inwieweit sich Museen mit dem Anspruch konfrontiert sehen, zu einem Begegnungsort für Menschen jenseits von Milieuzugehörigkeit, Alter und Nationalität zu werden. Eng damit verbunden ist die Erwartung, dass Museen gesellschaftliche Probleme lösen. Dieser Fragestellung nahm sich auch Frau Dr. Katja Pourshirazi, Leiterin des Overbeck-Museums in Bremen, an. Sie warf die Frage auf, welche Rolle die Museen in unserer Gesellschaft tatsächlich einnehmen können und wollen. 

Die Diskussionsrunde am Nachmittag rückte die Frage, wie sich kommunikationstechnische Innovationen auf das Selbstverständnis der Museen, ihre Formate, Methoden und Ausstellungen auswirken, in den Vordergrund. Einleitend skizzierte Dr. Christian Gries, Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, die Ergebnisse aus dem Projekt „Digitale Strategien für Museen“. Dabei ging er auf konkrete Erfahrungen in der Diskussion, Planung und dem Betrieb entsprechender Strategien, vor allem bei kleinen und mittleren Museen in unterschiedlicher Trägerschaft ein. Darauf aufbauend hielt Dr. Dennis Niewerth, Deutsches Schifffahrtsmuseum Bremerhaven, ein Plädoyer für das „Virtuelle Museum“. Digitale Technik sollte als Teil des Normalzustandes gedacht werden und Virtualität als etwas, das aus ihr heraus gedacht und gestaltet werden muss, so Niewerth. Die Teilnehmer diskutierten im Anschluss die Fragestellung, wohin die digitale Reise im Museum geht und stellten dabei Aspekte wie die Sammlungserschließung und die Vermittlung in den Vordergrund. 

Im Anschluss an die Diskussionen fand erstmals ein Ideenforum statt, in der drei junge Museumswissenschaftler*innen ihre Ideen zu neuen Vermittlungsstrategien präsentieren konnten. 

Die Mitgliederversammlung des Museumsverbandes, in der u.a. das Museumsgütesiegel 2020 sowie der VGH-Förderpreis 2019 ausgelobt wurden, bildete den Abschluss des offiziellen Veranstaltungsteiles. 

Am morgigen Samstag, 23. März, lädt der Verband noch zu einer Exkursion mit Besichtigung der Synagoge Celle sowie der Gedenkstätte Bergen-Belsen ein.

Die Verbandstagung 2020 findet von Donnerstag, 19. bis Samstag, 21. März 2020 in Geeste-Groß Hesepe im Emsland statt.

 

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