Vespa World Days 2017 – in Celle

„Vespa Village“ zählte rund 5.000 „Einwohner“

„Vespa Village“ zählte rund 5.000 „Einwohner“ Vespa World Days 2017 – in Celle( C) Vespa World Days 2017

Vespa World Days 2017 – in Celle

„Vespa Village“ zählte rund 5.000 „Einwohner“

Störungsfreie Ausfahrten mit 4.000 und 7.000 Teilnehmern

 

CELLE. Die Vespa World Days 2017, die vom 22. - 25. Juni in Celle unter der Schirmherrschaft von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil stattfanden, sind Geschichte. Eröffnet hatte das internationale Treffen Celles Bürgermeister Heiko Gevers. Er konnte bereits am Eröffnungstag mehrere tausend Teilnehmer begrü.en. Insgesamt zählte das „Vespa Village“ während seines Bestehens rund 5.000 „Einwohner“. Sie kamen aus 34 Staaten* und vier Kontinenten. Die zahlenmäßig größten Gruppen stellten Deutschland, Belgien, Italien, die Niederlande und Großbritannien.

Im „Vespa-Village“ traf sich die Community zum Fachsimpeln ebenso, wie zum Flanieren über die Händlermeile, zum zwanglosen Plausch bei einem Kaffe, Bier oder Imbiss. Gut besucht waren aber auch die Abendveranstaltungen. Dort hatten die Gäste die Wahl, sich mit Live- oder Discomusik in Stimmung zu bringen.

Im Mittelpunkt des dreieinhalbtägigen Treffen standen die zahlreich angebotenen Ausfahrten. Höhepunkte waren dabei zwei große – von der Polizei eskortierte – Rundfahrten. Am Freitag fanden sich – nach Polizeiangaben – 4.000 Vespisti ein, um auf der 70 Kilometer lange Strecke mitzufahren. Der Korso erreichte zeitweilig eine Länge von fünf bis sieben Kilometer. Am Samstag waren (gleichen Angaben zufolge) bis zu 7.000 Vespas auf der rund 30 Kilometer langen Korsostrecke unterwegs.

Angeführt wurde diese Kolonne vom Celler Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge. Die Polizei lobte am Ende, dass es trotz der Korsolängen nicht zu den befürchteten Verkehrsstörungenkam, „da sich die Kolonnen zügig und störungsfrei fortbewegten“. Weiter hieß es in diesem Bericht:

„Die Teilnehmer verhielten sich durchweg diszipliniert und wurden von den Anwohnern und anderen an der Strecke befindlichen Personen freundlich empfangen.“ Auch die eingesetzten Rettungskräfte von DLRG und Malteserhilfsdienst zeigten sich erfreut, dass es während der vier Veranstaltungstage keine ernsthafte Personenschäden gab. Für eine Veranstaltung dieser Dimension sei dies bemerkenswert, so ein Verantwortlicher der Rettungsdienste.

* Albanien, Argentinien, Belgien, Bulgarien, Chile, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Hongkong, Indonesien, Irland, Israel, Italien, Kanada, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, USA.

 

Kirsten Lühmann zum Erhalt historischer Zweitaktfahrzeuge

 

Der Erhalt historischer Fahrzeuge wird in Deutschland, insbesondere unter umweltpolitischen Gesichtspunkten, strittig diskutiert. Besonders kritisch werden dabei Fahrzeuge mit Zweitaktmotoren gesehen. Ein Klassiker dieses Genres ist die Vespa.

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kirsten Lühmann, MdB (Bild), bezog dazu vor den Präsidenten der in Celle versammelten nationalen Vespa-Dachverbände in ihrem Festvortrag Stellung.

Die Vespa habe, so Lühmann, „eine stolze Geschichte – in diesem Jahr feiert sie immerhin ihren 71. Geburtstag“. Doch auch Romantik habe ihre Grenzen. Denn die Feinstaubbelastungen erreichten in diversen deutschen Städten lange vor dem Jahresende ihren zulässigen (Jahres-) Höchstwert. Daher wiesen immer mehr deutsche Städte und Regionen Umweltzonen aus, in die nur Fahrzeuge mit einer speziellen Umweltplakette hineinfahren dürften. Lühmanns gute Nachricht für alle Vespisti: „Zweiräder sind von den Umweltzonen in Deutschland ausgenommen. Und es gibt auch keine relevanten Initiativen, daran etwas zu ändern.“

Unbeschadet dessen treffe das – bis dato ungelöste – Problem hoher Feinstaub- und Stickoxid-Belastung nicht nur Deutschland, sondern auch zahlreiche europäische Regionen. Fahrverbote für Roller, wie sie unter anderem in Italien diskutiert werden, erteilte Lühmann eine Absage. Sie halte solche Verbote zumindest in Deutschland für nicht für notwendig, da Motorroller keinen signifikanten Anteil an der Feinstaubbelastung haben.

Natürlich gehe, wie Lühmann erläuterte, gerade von Zweitaktmotoren eine relativ große Feinstaubbelastung aus. Allerdings sei die Zahl dieser Fahrzeuge gering und werde auch nicht mehr zunehmen – im Gegenteil. Die neue Euro-4-Norm erschwere die Neuzulassung von Zweitaktmodellen und habe mittlerweile dazu geführt, das die Hersteller (unter ihnen auch Vespa) die Produktion solcher Fahrzeuge eingestellt hätten. Und vor diesem Hintergrund halte sie es „für deutlich überzogen, auch an den

Altbestand heranzugehen“. Schließlich seien viele der jetzt noch zugelassenen Zweitakter Sammlerstücke. Die Politikerin räumte in diesem Zusammenhang ein, dass die deutsche H-Kennzeichen-Regelung für Pkw keine Lösung für Roller sein könne. Allerdings halte sie es für denkbar, für diese Fahrzeugattung einen Modus Vivendi zu finden, der dessen Erhalt sichere. Lühmann ging auch auf eine von Zweitaktkritikern gern zitierte Studie aus dem Jahr 2013 ein, wonach Zweitakter einen Großteil der Feinstaubbelastung ausmachten: „Wer allerdings weiterliest, stellt fest, dass diese Aussage spezifisch für Städte in Asien, Afrika und Südeuropa getroffen wird.“ In Deutschland sei die Situation nachweislich eine andere. Um die Klimaziele zu erreichen, so Lühmann, müsse man auch den Individualverkehr auf absehbare Zeit so emissionsneutral wie möglich gestalten. Elektromobilität und der gleichzeitige Ausbau erneuerbarer Energien seien der zurzeit beste Weg dorthin.

Hier lasse sich mit moderner Technologie „viel machen“. Lühmann sprach an dieser Stelle die aus Ihrer Sicht bestehenden Vorzüge der Elektromobilität an. Auch Vespa habe (im vergangenen Herbst) seinen ersten Elektroroller vorgestellt – die „Vespa Elettrica“, die vermutlich im kommenden Jahr zum Kauf angeboten werde. Wer schnell und wendig Strecken im Stadtverkehr zurücklegen wolle, sei mit einem Elektroroller sehr gut bedient.

Auf das Thema „Umweltzonen“ eingehend stellte Lühmann klar, dass dies „eine ausschließlich nationale Angelegenheit ist“. Die EU kann und werde nicht darüber entscheiden, welche Fahrzeuge in welche Kommune einfahren dürften. Sehr wohl würden aber Grenzwerte für die Feinstaubbelastung europaweit festgelegt.

Lühmanns Fazit: „Einig sind wir uns, dass vor allem große Städte zu bestimmten Jahreszeiten ein Feinstaubproblem haben. Und die Diskussion darüber, wie diese Probleme gelöst werden können, haben gerade erst begonnen. Klar ist für mich aber auch: die Vespistas in Deutschland mit meist historischen Maschinen sind nicht das Problem.“ Daher unterstütze die Politik die Vespa-Liebhaber weiterhin bei der Ausübung Ihres Hobbies. Lühmann: „Unterstützen auch Sie uns bei einer vernünftigen, zukunftsweisenden Politik.“

Am Schluss ihrer Ausführungen ging die Bundestagsabgeordnete noch auf das Thema „Verkehrssicherheit“ ein. Sie verwies darauf, dass der Landkreis Celle bundesweit führend beim Unterfahrschutz an Leitplanken sei. Eine technische Entwicklung die verhindert, dass Zweiradfahrer bei einem Sturz unter der Leitplanke landen oder in deren Zwischenraum hängenbleiben – „was zwangsläufig zu schweren Verletzungen der Wirbelsäule und manchmal leider auch zum Tod führt“.

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