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Toni Kroos erspart der Nationalmannschaft vorzeitiges WM-Aus

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Toni Kroos erspart der Nationalmannschaft vorzeitiges WM-Aus Toni Kroos erspart der Nationalmannschaft vorzeitiges WM-Aus (C) DFB/Getty Images

SOCHI / FRANKURT/MAIN. Der Weltmeister Deutschland hat ein vorzeitiges WM-Aus unter großem Druck vermieden. Im zweiten Gruppenspiel gegen Schweden kam das DFB-Team nach einem 0:1-Pausenrückstand mit Moral und großer Willenskraft zurück und gewann die Partie noch mit 2:1. Ola Toivonen hatte die Schweden nach einem Fehlpass von Toni Kroos in Führung geschossen, Marco Reus gelang der Ausgleich (48). In der Schlussphase sah Jerome Boateng Gelb-Rot (81.) - und dann kam die Nachspielzeit. Der eingewechselte Julian Brandt knallte den Ball an den Innenpfosten (90+2.), ehe Kroos die Kugel in der fünften Minute der Nachspielzeit bei einem Freistoß von der linken Seite zum 2:1 ins lange Eck schlenzte, als alle mit einer Flanke vors Tor rechneten.

In der Tabelle der Gruppe F schob sich Deutschland mit nun drei Punkten und 2:2 Toren punkt- und torgleich mit Schweden auf Rang zwei vor und kann mit einem Sieg im letzten Spiel gegen Südkorea am kommenden Mittwoch (ab 16 Uhr, live im ZDF) den Achtelfinaleinzug perfekt machen.

Vier Neue in der Startelf

Im Vergleich zur Auftaktniederlage gegen die Mexikaner stellte Bundestrainer Joachim Löw auf vier Positionen um. In der Abwehrreihe um Boateng und Joshua Kimmich ersetzte Antonio Rüdiger den angeschlagenen Mats Hummels, der zuletzt erkrankte Jonas Hector kehrte hinten links für Marvin Plattenhardt in die Startelf zurück. Im zentralen Mittelfeld begann neben Kroos der Münchner Sebastian Rudy anstelle von Sami Khedira, die offensive Dreierkette verstärkte Reus für Mesut Özil. Neben Reus begannen Julian Draxler und Thomas Müller hinter der Spitze Timo WernerManuel Neuer führte das DFB-Team in seinem 77. Länderspiel als Kapitän aufs Feld.

Deutschland startete mutig in die Partie, schon in der 3. Minute bediente Kimmich den Leipziger Werner im Strafraum, von der Grundlinie köpfte Werner in den Rücken der Abwehr – Draxler kam aus vier Metern zum Abschluss, traf aber nur ein schwedisches Abwehrbein. Den Nachschuss von Hector blockte Schwedens Kapitän Andreas Granqvist. Fünf Minuten später hatte erneut Draxler die Führung auf dem Fuß, aus spitzem Winkel spitzelte er die Kugel knapp am langen Pfosten vorbei (8.).

122:6 Pässe nach gut zehn Minuten

Keine 60 Sekunden später war es wieder Kimmich, der auf der rechten Seite Reus auf die Reise schickte. Der Dortmunder leitete den Ball sofort in die Mitte weiter, wo Viktor Lindelöf die Kugel im Duell mit Werner in allerhöchster Not neben das eigene Tor lenkte. Die beeindruckende Bilanz nach gut zehn Minuten: 122 Pässe von Deutschland – sechs (!) von Schweden.

Nach 12 Minuten wurde es dann aber erstmals hinten brenzlig. Rüdiger verlor im Aufbauspiel den Ball, Schweden schaltete blitzschnell um und schickte Marcus Berg mit einem Pass in die Schnittstelle. Der frühere Hamburger tauchte allein vor Neuer auf, Boateng störte den Schweden aber noch im Abschluss – und Neuer kam mit der rechten Hand gerade noch an die Kugel.

Rudy muss vom Feld, Toivonen trifft zum 1:0

Der Schwung der Anfangsphase war nun weg, Deutschland kam nicht mehr vors Tor der Skandinavier. Auf der Gegenseite blockte Boateng einen Schuss von Berg stark ab (18.). Zudem traf Toivonen unabsichtlich Rudy bei einer Grätsche mit dem Knie im Gesicht, der Münchner musste mit starkem Nasenbluten und Verdacht auf Nasenbeinbruch vom Feld. Für ihn kam Gündogan in die Partie (31.).

Der 27-Jährige war noch keine Minute auf dem Feld, als sich Kroos einen schweren Fehlpass in der eigenen Hälfte leistete. Berg fing den Ball ab, bediente Viktor Claesson und dessen perfekte Flanke landete bei Toivonen. Der Angreifer nahm die Kugel mit der Brust an und lupfte bedrängt von Rüdiger über den herausstürmenden Neuer hinweg zum 1:0 ein (32.).

Deutschland wirkte danach kurz geschockt, kam durch Gündogan aber fast zum Ausgleich. Seinen Distanzhammer lenkte Keeper Robin Olsen gerade so nach vorne ab und auch den Nachschuss von Müller lenkte der Schussmann hauchdünn neben den rechten Pfosten (39.). Boateng traf kurz vor der Pause noch das Außennetz (45.), aber auch auf der Gegenseite wurde es noch zweimal richtig gefährlich: Hector war gegen Claesson mit der Hacke zur Stelle (44.) und Neuer parierte einen Kopfball von Berg weltklasse.

Reus bringt Deutschland ins Spiel zurück

Zur zweiten Halbzeit änderte sich nicht nur personell etwas – Mario Gomez kam für Draxler – das DFB-Team schaltete nun auch zwei Gänge nach oben. Deutschland schnürte die Schweden sofort ein, Werner rochierte auf den linken Flügel, machte einen starken Laufweg, tanzte noch einen Gegenspieler aus und passte scharf in den Strafraum. Am kurzen Pfosten gab Gomez dem Ball noch eine leichte Richtungsänderung in seinem Rücken rauschte Reus heran und lenkte die Kugel mit dem Knie ins Netz (48.).

Deutschland blieb am Drücker, spielte im Aufbau konzentrierter und erarbeitete sich weitere Chancen. Ein Kopfball von Müller streifte knapp am Kasten vorbei (51.), Hector kam nach exzellenter Links-Flanke von Werner zum Abschluss, aber Olsen war zur Stelle (56.). Von der Gegenseite machte Kimmich Tempo und flankte butterweich vors Tor. Reus verlängerte den Ball mit der Hacke neben das Tor (61.).

Gomez vergibt dicke Chance, Boateng sieht Gelb-Rot

Schweden verteidigte mit elf Mann am und im eigenen Strafraum. Trotzdem fand Deutschland die Lücken: Gomez kam nach einer Flanke von rechts frei zum Abschluss, spitzelte die Kugel aber mit der Pike über das Gehäuse (68.). Kurz darauf stach wieder Werner links durch und passte scharf in den Fünfer. Granqvist hielt den Fuß rein und hätte um ein Haar für ein Eigentor gesorgt. Wieder war Olsen zur Stelle (71.).

In der Schlussphase rauschte Boateng in Berg hinein und sah die Gelb-Rote Karte (82.). Trotz Unterzahl probierte das DFB-Team danach noch einmal alles, Löw brachte Julian Brandt für Hector (87.) und Gomez eröffnete sich noch einem die große Gelegenheit zum Siegtreffer. Seinen wuchtigen Kopfball lenkte Olsen aber mit einem riesigen Reflex über die Querlatte (88.).

Dann brach die unglaubliche Nachspielzeit an, Brandt traf den Innenpfosten, ehe Kroos eine geniale Idee hatte: Als beim Freistoß alle mit einer Flanke rechneten, schlenzte er den Ball direkt ins lange Eck.

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