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Anfällig sind besonders die Armen

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Anfällig sind besonders die Armen DAHW instagram.com Presseportal/ Lepradorf in Jaipur/ Indien

WÜRZBURG. Der Franzose Raoul Follereau, Vorkämpfer der Leprakranken, wollte die Verdammten der Gesellschaft nicht ihrem Leid und der gesellschaftlichen Ächtung überlassen. Er begründete 1954 den "Welttag der Leprakranken". Seither rücken an jedem 31. Januar des Jahres die Leprakranken ins Blickfeld der internationalen Staatengemeinschaft. Dafür schrieb Follereau auch Briefe an den damaligen US-Präsidenten Eisenhower, in denen er um die Unterstützung des von ihm organisierten Lepradorfes warb. Statt der staatlichen Ausgaben für einen Bomber sollte der Haushalt jene Gelder für die Leprakranken zur Verfügung stellen. Vieles wurde seither bewegt.

Nach Angaben der Deutschen Lepra-und Tuberkulosehilfe e.v. (DAHW) leiden heute etwa 4 Millionen Menschen weltweit an Lepra. Jedes Jahr kommen bis zu 220.000 Patienten hinzu. In Deutschland verweist die DAHW auf 13 Lepraerkrankungen seit 2012. Besonders die enge Zusammenarbeit der DAHW und Missionsärztlichen Klinik Würzburg hätte sich bei den erfolgreichen Behandlungen ausgezahlt.

Lepra ist eine bakterielle Krankheit. Bis zu 30 Jahre beträgt die Inkubationszeit. Bricht sie aus, kann Lepra bei früher Diagnose besiegt werden. Die Therapie koste durchschnittlich nur 50 Euro für einen Patienten. 95 Prozent aller Erkrankten befinden sich laut DAHW insbesondere in folgenden Staaten: Nepal, Indien, Bangladesch, Pakistan, Jemen, Somalia, Sudan, Südsudan. Ebenso in Brasilien, Paraguay infizieren sich jedes Jahr Tausende Menschen, die zu den Ärmsten und Armen der Stadt oder Landbevölkerung zählen. Die Bakterien greifen nämlich vor allem geschwächte Immunsysteme an. Dann wuchern sie in "äußeren Nervensystemen" und führen langfristig zu Verstümmelungen. An Händen, Beinen, am Kopf. Damit einhergehend erzeugten sie in der Masse eine verheerende Isolationsdynamik: Neben dem Verlust des Berufes schraubt sich eine langfristige, soziale Stigmatisierung zwischen die Betroffenen und zumeist unaufgeklärte Mehrheitsgesellschaft. Teils existierten auch Gesetze, die sich gegen Leprakranke richteten.

Lepra ließ die Menschen seit dem Altertum zu apokalyptischen Ausmalungen als Botschaft eines strafenden Gottes hinreißen. Der norwegische Arzt und Wissenschaftler Hamsun entdeckte 1873 den Krankheitserreger Mycobacterium leprae. Heute helfen Medikamente bei der Behandlung. Zur frühstmöglichen Diagnose durch Ärzte gehört unter anderem ein Drucktest mit Stiften: Spürt der Patient den Stift nicht auf einer Stelle, liegt der Verdacht einer Lepraerkrankung nahe. Die DAHW erinnert zum Januarende an die weltweite Arbeit in Krankenhäusern und Lepradörfern. In der Liste der Maßnahmen zur Niederringung der Armutskrankheit finden sich ferner: Aufklärungsprogramme, Weiterbildungsprojekte, Forschungs- und Sozialprojekte als auch nationale Kontrollprogramme. DC

 
 
 
 

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