Börsen- und Wirtschaftsnachrichten vom 11. April 2019

Donnerstag, 11 April 2019 05:42
Publiziert in Wirtschaft
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Börsen- und Wirtschaftsnachrichten vom 11. April 2019 Indizes vom 10.04.2019 (C) finanzen.net

FRANKFURT/MAIN. Die Zinsentscheidung der EZB hat Europas Börsen am Mittwoch kaum bewegt. Wie erwartet hat die EZB die Zinsen bestätigt und klar gestellt, dass diese mindestens bis Ende 2019 auf dem aktuellen Niveau verharren werden. Details zu den neuen zielgerichteten Langfristtendern (TLTRO3) wird es erst auf einer der kommenden EZB-Sitzungen geben. Die Anleger warten nun auf die Ergebnisse des EU-Sondergipfels - eine weitere Verlängerung des EU-Austritts Großbritanniens gilt als wahrscheinlich. Der DAX gewann 0,5 Prozent auf 11.906 Punkte, für den Euro-Stoxx-50 ging es um 0,2 Prozent auf 3.425 Punkte nach oben.

Der Euro reagierte mit leichten Abschlägen auf Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi, während die Kurse am deutschen Anleihemarkt anzogen. Draghi betonte die bestehenden Wachstumsrisiken in der Eurozone. Diese lägen auf der Unterseite. Draghi verwies dabei auf die geopolitischen Unsicherheiten und die Risiken durch Protektionismus. Der Euro fiel im Tief auf rund 1,1230 Dollar nach Ständen von zuvor 1,1280 Dollar, erholte sich bis Börsenschluss aber wieder auf 1,1267 Dollar. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe gab etwas auf minus 0,027 Prozent nach. 

 

 

Nicht gut reagierten Bankenaktien auf Draghi-Kommentare zum Sektor. Die EZB will die Nebenwirkungen von Negativzinsen auf die Bankgewinne prüfen und hat damit indirekt Probleme aus der Negativzinspolitik für den Sektor eingeräumt. Nach Einschätzung der LBBW könnte die EZB Freibeträge für die Depositen der Geschäftsbanken beschließen, ähnlich verfahre die Schweizerische Notenbank. "Allerdings will ein solcher Schritt sehr genau überlegt sein, da er möglicherweise in den Wettbewerb am europäischen Bankenmarkt eingreift", so die LBBW. Deutsche Bank gaben um 0,7 Prozent nach und Commerzbank um 2,3 Prozent. Der Euro-Stoxx-50-Sektor verlor 0,7 Prozent. 

Kursdesaster bei Indivior setzt auch Reckitt Benckiser unter Druck 

 

In London stürzten Indivior um 71,6 Prozent ab. In den USA ist das Spezialpharmaunternehmen wegen Betrugs angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft reklamiert einen Schaden von 3 Milliarden Dollar, dem dreifachen des Jahresumsatzes. Wie es heißt, geht es um Betrugsvorwürfe in Zusammenhang mit einem Medikament gegen Opiat-Abhängigkeit.

Der Kurs von Reckitt Benckiser - ehemalige Mutter von Indivior - fiel um 6,5 Prozent. Reckitt Benckiser könnte als früherer Eigentümer haftbar gemacht werden, so die Analysten der UBS. In seiner Verteidigung habe Indivior ausgeführt, dass die Vorwürfe des Justizministeriums auf die Zeit vor der Abtrennung 2014 zurückgingen, als das Unternehmen rechtlich nicht selbständig gewesen sei. 

Im Öl-Sektor äußerten sich Repsol und OMV zur Produktion im ersten Quartal. "Das Statement liegt bestenfalls im Rahmen der Erwartungen", so ein Händler zu Repsol. Der Kurs stieg dennoch um 1,6 Prozent. OMV legten sogar 2,4 Prozent zu, obwohl auch hier der Bericht nicht sonderlich positiv bewertet wurde. Positiv für Ölaktien sei aber der anhaltende Anstieg der Ölpreise, hieß es am Markt. 

"Dabei überrascht positiv, dass die Ölpreise sowohl die hohen US-Lagerbestände als auch die niedrigeren Konjunkturprognosen durch den IWF so schnell abgestreift haben", sagte ein Händler. Das sei ein Zeichen, dass der Preisanstieg sehr robust sei. 

Siltronic senken den Ausblick 

Nach der Senkung der Prognose für das laufende Jahr brachen Siltronic um 5,1 Prozent ein. Das Unternehmen rechnet nun mit einer EBITDA-Marge von 33 bis 37 Prozent. Bislang war Siltronic von einer Marge leicht unter dem Vorjahr (40,5 Prozent) ausgegangen. Wie Berenberg in einer jüngeren Studie anmerkte, setze das (frühere) Margenziel voraus, dass sich das Geschäft im zweiten Halbjahr verbessere. Siltronic erwartet aber nun, dass sich das Geschäft im zweiten Quartal weiter abschwächen wird. 

Siltronic hatte die Jahresprognose unter den Vorbehalt gestellt, dass sich die Auftragseingänge für das zweite Halbjahr 2019 deutlich beleben. Wegen der allgemeinen konjunkturellen Abkühlung und geopolitischer Unsicherheiten und noch nicht abgeschlossener Bestandskorrekturen in der Wertschöpfungskette sei der Eintrittszeitpunkt für die Erholung des Marktumfelds jedoch nicht mit Bestimmtheit vorauszusehen. Die Aktie der an Siltronic beteiligten Wacker Chemie gab um 2 Prozent nach. 

Die britische Supermarktkette Tesco hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ihren Gewinn deutlich gesteigert. Die Aktionäre können sich über eine höhere Dividende freuen. Das sorgte für einen Kursaufschlag von 3,6 Prozent. 

Deutsche Börse kauft Axioma 

Leicht positiv bewerteten Marktteilnehmer die Entwicklung bei der Deutschen Börse. Sie will den Anbieter von Portfolio- und Risikomanagementlösungen Axioma übernehmen und diesen mit dem eigenen Index-Geschäft zusammenführen. Die Aktie gewann 0,4 Prozent. 

Der Verkaufsprozess der Metro-Tochter Real läuft offenbar nicht wie ursprünglich geplant. Wie das Handelsblatt berichtete, spricht Metro neben Immobilieninvestoren auch mit dem Einkaufsverbund Markant darüber, nur den Betrieb ohne Immobilien abzugeben und dabei noch Geld draufzulegen. Metro gaben um 1,6 Prozent nach. 

Die Aktie der Shop-Apotheke verlor im SDAX 10,5 Prozent auf 35,25 Euro. Das Unternehmen hat mittels Kapitalerhöhung sowie einer Aufstockung einer bestehenden Wandelanleihe Geld eingesammelt, was gewinnverwässernd wirkt. Die Kapitalerhöhung wurde zu 36 Euro je Aktie bei Investoren platziert.

(Quelle:finanzen.net)

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