Log in

Börsen- und Wirtschaftsnachrichten vom 11. September 2019

Gelesen 769
(0 Stimmen)
Indizes vom 10.09.2019 (C) finanzen.net Indizes vom 10.09.2019 (C) finanzen.net

FRANKFURT/MAIN. Trotz massivem Positions-Management hat sich an den europäischen Börsen am Dienstag keine einheitliche Tendenz durchgesetzt. Der DAX gewann zwar 0,3 Prozent auf 12.269 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 schloss mit 3.499 Punkten aber fast unverändert, und in Zürich und Mailand gaben die Indizes sogar um je 0,4 Prozent nach. Dabei wurden die europäischen Aktienmärkte von umfangreichen Spread-Auflösungen geprägt. Die Gewinner des Jahres wurden zu den Verlierern und die Verlierer des Jahres zu den Gewinnern. Die konjunkturunabhängigen Favoriten der 2019er Hausse korrigierten und auch mit den Technologie-Aktien ging es nach unten. Der TecDAX fiel um 1,4 Prozent. Stattdessen setzte der Markt auf so genannte Value-Aktien aus dem Finanzbereich und dem Automobilsektor. Auch Öltitel waren weiter gefragt.

"Die großen Fonds rechnen damit, dass die langen Renditen ihre Tiefs hinter sich haben", so ein Marktteilnehmer. Deshalb hätten Abzinsungsmodelle auf Cashflow und Dividenden der bisher favorisierten Wachstumsaktien auf rot geschaltet. "Die Modelle erwarten, dass die Zeiten für die Wachstumsaktien zumindest nicht mehr besser werden", so der Marktteilnehmer.

Stattdessen wurden die Verlierer des Jahres gekauft, die bei den Spreads bisher auf der Short-Seite gestanden hätten oder vernachlässigt worden seien. Denn die Banken- und Ölaktien sowie Zykliker seien nach wie vor vergleichsweise günstig. Außerdem gebe es weiterhin keine wirklichen Alternativen zum Aktienmarkt, gerade wenn man bei den Langläufern Kursverluste befürchte, hieß es.

Die Renditeerwartungen haben gedreht

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen war zuletzt auf minus 0,55 Prozent gestiegen nach minus 0,63 Prozent am Montagmorgen und einem Jahrestief von minus 0,71 Prozent Ende August. Darunter litt auch der Goldpreis, der erstmals seit knapp drei Wochen wieder unter die Marke von 1.500 Dollar gefallen war, die Feinunze kostete am frühen Abend 1.495 Dollar.

Die Europäische Zentralbank könnte am Donnerstag die Wiederaufnahme ihres Anleihenkaufprogramms verkünden. In der Vergangenheit hatten Phasen der Anleihenkäufe durch die Zentralbanken tendenziell zu steigenden Renditen geführt, weil die anziehenden Inflationserwartungen die Käufe selbst in den Hintergrund gedrängt hatten. Wenn die Notenbanken mit den Anleihenkäufen pausierten, gingen die Renditen dagegen tendenziell zurück, weil die Inflationserwartungen wieder fielen.

Grund für den Renditeanstieg war aber auch die Spekulation, dass die Bundesregierung die "Schwarze Null" aufgeben könnte. "Das führt bei den internationalen Investoren zu Misstrauen", sagte ein Marktteilnehmer. Eine Schuldenpolitik in Deutschland könnte zu einem Domino-Effekt führen, weil dann Euro-Wackelkandidaten wie Italien ihren Rest an Haushaltsdisziplin aufgeben könnten, so der Marktteilnehmer.

Bankenwerte profitieren von EZB-Spekulation

Daneben rechnete der Markt aber auch mit einem Staffelzins, der die negativen Folgen für die Banken abfedert. Der Bankenindex in Europa gewann 2,1 Prozent. Credit Agricole stiegen um 2,2 Prozent und Deutsche Bank um 1,7 Prozent. Angeführt wurde die Gewinnerliste der Branche von Barclays mit einem Plus von 4,9 Prozent. Commerzbank legten um 1,4 Prozent zu.

Der Index der Ölwerte zog um 2,0 Prozent an. Die Ölpreise bauten die Gewinne vom Montag weiter aus, angefeuert von der Spekulation, Saudi-Arabien wolle nach dem Wechsel an der Spitze des Ölministeriums schnelle Preissteigerungen durchsetzen. Royal Dutch stiegen um 2,2 Prozent und Total um 2,3 Prozent.

Der Automobilindex legte zum Beginn der IAA um 0,2 Prozent zu. Die Autotitel gelten generell als äußerst günstig bewertet, müssen sich aber auch den Herausforderungen des Strukturwandels stellen. Nun stiegen BMW um 0,9 Prozent und Peugeot um 2,1 Prozent. Im DAX zogen auch die Kurse der Chemietitel BASF und Covestro an, obwohl sie von der Citigroup abgestuft worden waren. Größte DAX-Gewinner waren Conti, Thyssenkrupp und Lufthansa mit Aufschlägen von jeweils über 3 Prozent.

Auf der Verliererseite standen mit den steigenden Zinsen Immobilienaktien, Pharmatitel, Nahrungsmittelpapiere und Technologietitel, deren Indizes alle über ein Prozent abgaben. Im DAX standen Wirecard, Adidas, Merck und Beiersdorf unter Druck.

EDF unter Druck - "Normabweichungen"

Die Aktie von EDF brach an der Pariser Börse um 6,8 Prozent ein. Nach Aussage aus dem Handel belastet die Nachricht, dass das mehrheitlich in EDF-Besitz befindliche Unternehmen Framatome Normabweichungen bei Komponenten für Atomreaktoren festgestellt hatte.

Im Technologiebereich ging es für Wirecard um 4,5 Prozent nach unten. Im Handel wurde auf eine Analyse von JP Morgan verwiesen. Darin sei die Aktie mit "Neutral" gestartet worden mit Verweis darauf, dass Wirecard wahrscheinlich Jahre benötigen werde, um die Bewertungslücke gegenüber den Wettbewerbern zu schließen. In Amsterdam verlor der Kurs des Konkurrenten Adyen sogar 5 Prozent.

Bet-at-home fielen um 1,6 Prozent. Der Wettanbieter geht für seine österreichische Tochter von einer Körperschaftssteuernachzahlung aus, die auch das Ergebnis auf Gruppenebene belasten wird. MTU gaben um 4,6 Prozent nach. Mit einer neuen Wandelanleihe löst der kommende DAX-Konzern eine ältere ab. Unter den zuletzt besonders favorisierten Titeln der dritten Reihe brachen Varta um mehr als 10 Prozent ein, Eckert & Ziegler um 6,4 Prozent.

(Quelle:finanzen.net)

Schreibe einen Kommentar