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Börsen- und Wirtschaftsnachrichten vom 19. Juni 2019

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Indizes vom 18. 06.2019 (C) finanzen.net Indizes vom 18. 06.2019 (C) finanzen.net

FRANKFURT/MAIN. Wie eine Sprungfeder sind Europas Börsen am Dienstag nach oben geschnellt. Es war ein Tag ganz nach dem Geschmack der Börsianer. Wahre Wunder bewirkte im frühen Geschäft EZB-Präsident Mario Draghi mit taubenhaften Tönen. Nach Startverlusten drehten die Märkte rapide ins Plus und liefen in der Folge weiter hoch, getrieben von der Hoffnung auf lange anhaltende Niedrigzinsen. Zugleich tauchte der Euro ab auf ein Dreiwochentief und am Anleihemarkt fielen die Renditen teilweise auf neue Rekordtiefs. Der DAX schloss 2 Prozent höher bei 12.332 Punkten und der Euro-Stoxx-50 stieg um 2,1 Prozent auf 3.453 Punkte. In der Schweiz sprang der Leitindex SMI erstmals in seiner Geschichte über 10.000 Punkte.

Neu gestellt wurden die Weichen am Vormittag von EZB-Präsident Draghi. Er deutete bei einem Forum der Europäischen Zentralbank (EZB) in Portugal eine stramme Lockerungspolitik an. Damit wird die zuletzt vor allem von den Erwartungen an die US-Notenbank ausgehende und die Aktienmärkte stützende Zinssenkungsfantasie noch befeuert. Die US-Notenbanker dürften am Mittwoch nach Handelsende in Europa die Zinsen zwar noch nicht senken, aber sie könnten Hinweise darauf geben, dass es im Juli soweit ist. Hintergrund sind die Unwägbarkeiten, die die Notenbanken weltweit für die Finanzmärkte sehen angesichts von Handelskonflikten und anderen geopolitischen Risiken. 

US-Präsident Donald Trump befeuerte noch die Fantasie, als er am Dienstag schon mal Draghis Vorgehen kritisierte und damit seine unbedingte Bereitschaft signalisierte, den Dollar zu schwächen. Auch ein späterer Tweet Trumps sorgte für Fantasie bei Aktien und bei Öl: Er habe ein gutes Telefongespräch mit Chinas Präsident Xi Jinping gehabt. Dies weckte die Hoffnung, dass es beim Treffen beider Präsidenten kommende Woche auf dem G20-Gipfel in Japan zu Ergebnissen kommen könnte.

Derweil trug zur kurstreibenden Zinssenkungsfantasie am Dienstag auch bei, dass der ZEW-Index, der die Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren in Deutschland abbildet, im Juni eingebrochen und deutlich schlechter als erwartet ausgefallen ist.

Anleihen fest - Euro schwach

Neben Aktien wurden auch Anleihen von den Zinssenkungsfantasien getrieben. Die deutsche Zehnjahresrendite markierte ein Rekordtief bei minus 0,326 Prozent. Der Euro fiel ebenfalls deutlich zurück, was wiederum günstig für Exporte aus der Eurozone ist. Die Gemeinschaftswährung wurde mit 1,1191 Dollar gehandelt nach 1,1240 Dollar vor den Draghi-Aussagen.

Mit an der Spitze bei den Sektoren lagen die Versorgeraktien mit einem Plus ihres Subindex von 2,3 Prozent. Die Branche gilt wegen ihrer Kapitalintensität traditionell als stark zinsreagibel. RWE legten um 3,8 Prozent zu, EDF rücken um 4,2 Prozent vor. Angeführt wurden die Branchen von den zyklischen Rohstoffwerten (+2,8 Prozent), die Nachholbedarf haben und von der Hoffnung auf eine Ankurbelung der Konjunktur getrieben wurden.

Im Gegensatz zu dem extrem festen Gesamtmarkt drehten deutsche Immobilienaktien am frühen Nachmittag nach unten ab. Der rot-rot-grüne Senat in Berlin hat die Eckpunkte für den sogenannten Mietendeckel beschlossen, mit dem die Mieten in der Hauptstadt fünf Jahre lang eingefroren werden sollen. Vonovia gaben 0,4 Prozent nach, Deutsche Wohnen fielen um 1,2 Prozent und Grand City Properties um 1,6 Prozent.

SAP steigen auf Allzeithoch

Bei den Einzelwerten standen in Deutschland Infineon und Siltronic im Fokus. Infineon hat im Schnellverfahren eine Kapitalerhöhung durchgeführt zur Finanzierung der jüngst angekündigten Übernahme von Cypress in den USA für 9 Milliarden Euro. "Für den geplanten Finanzierungsanteil von 30 Prozent über Eigenkapital fehlen noch etwa 1,15 Milliarden Euro", rechnete ein Händler vor und deutet damit an, dass wohl noch mehr Kapital benötigt wird. Infineon verloren 2,1 Prozent.

Für die Lufthansa-Aktie ging es nach dem Kurseinbruch am Vortag um weitere 2,3 Prozent abwärts. Die Gewinnwarnung der Fluglinie vom Sonntagabend wirkte damit weiter, zumal es nun eine Serie von Abstufungen der Aktie gab. Auch der steigende Ölpreis belastete.

Derweil baute Börsenliebling SAP seine Gewinne der jüngsten Zeit weiter aus und erreichte ein neues Allzeithoch bei 118,22 Euro. Die Aktie stieg um 3,1 Prozent und hat seit Jahresbeginn mit einem Plus von rund 35 Prozent mehr als doppelt so viel zugelegt wie der DAX. Der seit Jahresbeginn stärkste Wert, Adidas, rückte nochmals um 4 Prozent vor.

Aber auch die bislang im Jahresverlauf wegen unternehmsspezifischer Probleme verschmähten Werte waren nun gesucht. Damit nahm die Marktbreite weiter zu, was für eine stabile Aufwärtsbewegung sprechen könnte. So stiegen Bayer um 2,9 Prozent (seit Jahresbeginn: -10 Prozent), Deutsche Bank um 3,6 Prozent (-9 Prozent) und Thyssenkrupp um 5,1 Prozent (-17 Prozent).

Für Siltronic ging es um 7,7 Prozent abwärts. Der Wafer-Hersteller wird die erst im April gesenkten Ziele nicht erreichen. Schuld sind die geopolitischen Unsicherheiten und der negative Einfluss der Exportbeschränkungen der US-Regierung gegenüber chinesischen Technologieunternehmen.

(Quelle. finanzen.net)

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