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Börsen- und Wirtschaftsnachrichten vom 9. Juli 2019

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Indizes vom 08.07.2019 (C) finanzen.net Indizes vom 08.07.2019 (C) finanzen.net

FRANKFURT/MAIN. Die europäischen Aktienmärkte haben am Montag knapp behauptet geschlossen. Bereits am Freitag war es an der Wall Street abwärts gegangen, und auch am Montag eröffnete sie im Minus. Auslöser für die neue Vorsicht der Anleger ist der starke US-Jobbericht vom Freitag, der die heißgelaufene Zinssenkungsfantasie etwas eindampfte. Daneben sorgte auch die Verschärfung der Iran-Krise für Vorsicht, nachdem das Land demonstrativ die Bedingungen des Atomabkommens nicht mehr erfüllt. Der Euro-Stoxx-50 verlor 0,1 Prozent auf 3.524 Punkte, der DAX 0,2 Prozent auf 12.544 Punkte.

Thema Nummer eins war der Umbau der Deutschen Bank. Nachdem die Märkte seit einer Woche auf einen solchen Schritt bereits vorbereitet wurden, stehen seit dem Wochenende die Fakten fest. Für die Anleger sowie die Analysten ist der immense Jobabbau sowie die damit verbundenen Kosten in Milliardenhöhe kein Befreiungsschlag, bei dem die Karten neu verteilt werden. Vielmehr wird klar, dass es wohl Jahre dauern wird, bis es bei der Deutschen Bank wieder aufwärts geht.

Wer als Investor diesen langen und wohl schwierigen Weg nicht mitgehen will, der verabschiedete sich. Nachdem die Aktie mit dem gewagten Rundumschlag von CEO Christian Sewing im Plus eröffnete, kamen schnell Verkäufe an den Markt. Der Wert stellte mit einem Minus von 5,4 Prozent den Verlierer im DAX.

Deutsche Bank wird neu aufgestellt

Die Deutsche Bank will mithilfe massiver Einschnitte wieder in die Erfolgsspur finden und nimmt dafür bis 2022 insgesamt 7,4 Milliarden Euro an Sonderbelastungen in Kauf. Alleine im zweiten Quartal werden 3 Milliarden für die Restrukturierung berücksichtigt, weshalb nach vorläufiger Rechnung ein Verlust nach Steuern von 2,8 Milliarden Euro anfällt. Mit dem Kostensenkungsprogramm, dem 18.000 Jobs zum Opfer fallen, will die Bank ihre bereinigten Kosten bis 2022 auf 17 Milliarden Euro drücken. 2018 hatte dieser Wert bei 22,8 Milliarden Euro gelegen.

Die Analysten sind skeptisch. Für eine Herausforderung hält die UBS das Ziel der Deutschen Bank, über einen Zeitraum von vier Jahren die Kosten um 25 Prozent zu senken und zugleich die Erträge um 10 Prozent zu steigern. Dies dürfte sich besonders schwierig gestalten aufgrund des derzeitigen Marktumfeldes und angesichts der gleichzeitigen Umstrukturierung der Bank. Die Analysten von Citi stufen die Wahrscheinlichkeit als sehr gering ein, dass es ab 2022 zu Aktienrückkäufen und einer Dividende kommen wird. Zudem sei eine Kapitalerhöhung nach wie vor nicht auszuschließen. Die Kollegen bei Berenberg raten nach wie vor zum Verkauf der Aktie. Die Umsetzung der Strategie sei mit erheblichen Risiken behaftet.

Sodexo erwartet nur noch moderates Wachstum

Der Kantinenbetreiber Sodexo hat den Umsatz in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres gesteigert. In den verbleibenden drei Monaten werde das Wachstum aber moderater ausfallen, erwartet der Cateringanbieter aus Paris. Der Kurs gab mit dem schwachen Ausblick 4,2 Prozent nach.

Für die Aktie des spanischen Versorgers Enagas ging es erneut um 4,8 Prozent nach unten. Dabei belastete, dass die spanische Wettbewerbsbehörde CNCM am Freitag bereits neue Vorschläge für die Kompensation des Gasgeschäftes sowie der Nutzung von Stromnetzen vorgelegt hatte. "Der Vorschlag gefährdet die Strategie und die Equity Story von Enagas", hieß es von den Analysten der Citi. Der schlechter als erwartet ausgefallene Vorschlag von CNMC werde die Gewinnerosion erheblich beschleunigen und den Cashflow des Konzerns zudem reduzieren.

Eine Achterbahnfahrt absolvierte die Aktie von Thyssenkrupp. Gegen Mittag schoss sie steil nach oben auf bis zu 5 Prozent Plus. Hintergrund waren Gerüchte, dass der Konzern bereits im Herbst Gespräche über den Verkauf seiner Aufzugssparte führen will. Doch die Titel gaben die Gewinne wieder ab und schlossen lediglich 0,1 Prozent im Plus.

Fuchs Petrolub gaben 4,4 Prozent ab. Der Schmierstoffhersteller wird wegen der schwachen Autokonjunktur seine Prognosen nicht erreichen. Washtec brachen um 12 Prozent ein. Auch der Waschanlagenhersteller hat eine Gewinnwarnung abgegeben. Noch im März hatte sich das Unternehmen äußerst zuversichtlich geäußert.

Kursverluste in Athen nach Wahlsieg der Opposition

Der Wahlsieg der Opposition und der damit einhergehende zu erwartende Regierungswechsel in Griechenland sorgte am dortigen Aktienmarkt für keine Euphorie. Der FTSE/Athex büßte 2,2 Prozent ein. Die neue Regierung unter der Nea Dimokratia verspricht eine traditionelle Mitte-rechts-Agenda auf der Grundlage von Steuersenkungen und der Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen, will daneben aber auch die bisherige Sparpolitik aufheben. Im Vergleich zur vorherigen Regierung dürfte das Land zwar von den verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen profitieren, doch die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Effizienz und die Stärkung des Arbeitsmarktes stellen nach Einschätzung von Aberdeen Standard Investments nach wie vor große Herausforderungen dar.

Derweil stand die türkische Lira leicht unter Druck. Sie fiel zum Euro um knapp 1 Prozent, für einen Euro mussten 6,42 Lira bezahlt werden nach 6,32 Lira am Freitag. Grund war der Angriff des türkischen Präsidenten Recep Erdogan auf die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank. Erdogan hat per Dekret den Gouverneur der türkischen Zentralbank entlassen und durch dessen Stellvertreter ersetzt. Murat Cetinkaya hatte gegen den ausdrücklichen Willen Erdogans die Leitzinsen erhöht, um die heftige Inflation zu bekämpfen. Diese war daraufhin von einem Höchststand von 25 Prozent auf 15,7 Prozent zurückgegangen.

(Quelle:finanzen.net)

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