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241 Menschen in Stadt und Landkreis Göttingen mit Virus infiziert

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Symbolbild © Bernd Günther Symbolbild © Bernd Günther

GÖTTINGEN. In Stadt und Landkreis Göttingen sind aktuell 241 Personen mit SARS-CoV-2 infiziert. Die Gesamtzahl bestätigter Infektionen liegt bei 1.229; davon sind 483 in der Stadt Göttingen gemeldet, 746 im weiteren Kreisgebiet. 910 Personen sind wieder von der Infektion genesen, 78 sind in Verbindung mit einer Erkrankung an Covid-19 gestorben. Der statistische Richtwert der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner*innen während der vergangenen 7 Tage liegt für die Stadt und den Landkreis bei 47,91.

Mit Blick auf das derzeitige Infektionsgeschehen in einem Göttinger Wohnungskomplex und den dortigen Krawallen vom Sonnabend, 20. Juni, hat Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler in einer gemeinsam mit der Polizeidirektion und Polizeiinspektion Göttingen durchgeführten Pressekonferenz am Sonntag, 21. Juni 2020, betont: „Die Corona-Pandemie hat eine soziale Dimension erreicht. Bundesweit und auf der ganzen Welt sind vor allem Menschen in prekären Lebenssituationen dem Virus ausgesetzt. Enge Wohnverhältnisse, steigende Mieten und eine Überbelegung von Wohnraum zeugen von einer Profitgier derer, die mit Wohnraum spekulativ umgehen.“ Auch die Situation im betroffenen Göttinger Komplex führte Köhler auf die Profitmaximierung der Eigentümer*innen und der Hausverwaltung zurück. „Unter welchen Umständen die Menschen hausen müssen, scheint den Verantwortlichen oft egal, solange das Geld für die Miete fließt.“ Die Stadt habe auf privat abgeschlossene Mietverträge kaum Einflussmöglichkeiten, auch nicht auf solche von Transferleistungsbezieher*innen. Die Stadt vermittele selbst jedoch keine Transferleistungsbezieher*innen dorthin. „Wenn jetzt Stimmen in der Politik laut werden, die Verbesserungen verlangen, bin ich dabei. Die Adresse dieser Forderung kann aber nicht die Stadt sein“, so Köhler. Hier sei der Gesetzgeber gefordert, normativ entgegenzuwirken. „Solange die Rechtslage Profitgier und Preistreiberei mindestens duldet, sind den Städten und Gemeinden in Deutschland die Hände gebunden.“

Mit Blick auf die Entwicklung der Corona-Fallzahlen betont Oberbürgermeister Köhler: „Dieser Pandemie können wir nur gemeinsam entgegentreten. Jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft muss daran mitwirken. Mehr denn je kommt es darauf an, sich solidarisch zu zeigen und zu verhalten. Es geht darum, Menschen zu schützen. Der beste Weg, das zu erreichen ist nach wie vor: Abstand halten, Kontakte auf ein Nötiges reduzieren, auf die Hygiene achten und möglichst bei jeder Gelegenheit im öffentlichen Raum einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Je mehr Menschen sich daran halten und dadurch helfen, dass die Infektionszahlen nicht steigen, desto weniger einschneidende Maßnahmen müssen erlassen werden.“

Nach Angaben der Polizei Göttingen waren etwa 300 Polizist*innen im Einsatz. Acht von ihnen wurden dabei verletzt. Bewohner*innen aus dem Komplex hatten sich an einem der Ausgänge versammelt und mit Flaschen, Steinen und anderen Gegenständen in Richtung der Polizei geworfen sowie Pyrotechnik gezündet. Die Polizei ermittelt jetzt wegen schweren Landfriedensbruch und Körperverletzung. Nach Aussage von Uwe Lührig, Leiter der Polizeidirektion Göttingen, sei der Einsatz angesichts der Lage absolut gerechtfertigt gewesen.

Oberbürgermeister Köhler hatte sich selbst ein Bild von der Lage vor Ort gemacht und war ins Gespräch mit Bewohnern gekommen. Dabei hatte er das Vorhaben der Stadt Göttingen erläutert und auf den doppelten Test von bereits zuvor negativ getesteten Personen hingewiesen. Nach dem Gespräch und im weiteren Verlauf des Nachmittags hatte sich die Lage wieder deutlich entspannt.

Am Sonnabend, 20. Juni 2020, war damit begonnen worden, alle bislang negativ getesteten Bewohner*innen des Wohnkomplexes erneut zu testen. 316 Personen konnten getestet werden, bevor die Maßnahme aufgrund der Gemengelage im Kontext einer Demonstration in unmittelbarer Nähe sowie aufgrund zunehmender Spannungen im Komplex aus Sicherheitsgründen beendet werden musste. Die Ergebnisse der Tests werden zum Wochenbeginn erwartet. Jene, deren Test erneut negativ ausfällt, die ohne Krankheitsanzeichen und die keine Kontaktpersonen 1. Grades sind, gelten als gesund und dürfen dann auch wieder ein- und ausgehen. Erlaubt sind dabei maximal drei Personen aus einem Hausstand zur gleichen Zeit; eine Mund-Nasen-Bedeckung ist währenddessen zu tragen. Außerdem dürfen diese Personen vorsorglich bis zum 30. Juni 2020 weder die Schule noch die Kita besuchen und auch keinen Vereinssport betreiben. Wer in sensiblen Bereichen arbeitet – etwa im Gesundheitswesen – darf außerdem seine Arbeitsstelle bis zum 30. Juni nicht aufsuchen.

Von den rund 700 Bewohner*innen des Komplexes sind inzwischen 119 positiv getestet, darunter 47 Kinder und Jugendliche. „Mit den Lockerungen für doppelt negativ Getestete wollen wir die Situation insbesondere der Familien und Kinder verbessern. Sie sollen nicht Leidtragende eines durch Hausverwaltung und Eigentümer*innen verursachten Zustands im Gebäudekomplex sein“, betont Petra Broistedt, Sozialdezernentin der Stadt Göttingen und Leiterin des Stabs für außergewöhnliche Ereignisse.

Die Stadt Göttingen sorgt täglich mittags und am frühen Abend für eine Verpflegung mit Unterstützung der Johanniter Unfallhilfe und des Deutschen Roten Kreuzes. Zusätzlich können über ein Bestellzentrum telefonisch individuell gepackte Care-Pakete mit Lebensmitteln und Hygienebedarf angefordert werden; bislang wurden etwa 200 Pakete angefragt. Diese werden noch am selben Tag ausgeliefert. Dabei werden auch Wünsche und Erfordernisse wie beispielsweise nach Babynahrung oder Windeln berücksichtigt.

Der Sanitätscontainer ist von 8.00 bis 15.00 Uhr geöffnet und mit medizinischem Personal besetzt. Dort können auch Medikamente bezogen werden. Wer auf verschreibungspflichtige Medikamente angewiesen ist, kann telefonisch ein Rezept von der Hausärztin bzw. dem Hausarzt anfordern; eine Kooperationsapotheke liefert unverzüglich aus. Bei Bedarf werden auch Rezepte durch Ärzt*innen vor Ort ausgestellt.

Die Testungen wurden am Sonntag, 21. Juni 2020, fortgesetzt; insgesamt konnten an beiden Tagen mehr als 450 Personen getestet werden. Erste Test-Ergebnisse sind für Montagabend, 22. Juni 2020, zu erwarten. Menschen aus dem Umfeld des Komplexes, die sich aufgrund etwaiger Kontakte zu Personen aus dem Komplex unsicher fühlen, können sich ebenfalls auf das Virus testen lassen.

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