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Helmut Schmidt ist tot

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Helmut Schmidt ist tot (C) Lothar Schulz 2015 - Helmut Schmidt bei Trauerfeier für Siegfried Lenz

Am 23. Dezember 1918 wurde Helmut Schmidt in Hamburg geboren. Im Jahr 1945, unmittelbar nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, schloss sich Schmidt der SPD an. Zunächst engagierte er sich im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) und war in den Jahren 1947 und 1948 dessen Vorsitzender. Vom Dezember 1961 bis Dezember 1965 bekleidete er unter den ersten Bürgermeistern Nevermann und Weichmann den Posten des Senators der Polizeibehörde (ab Juni 1962 Innensenator) der Freien und Hansestadt Hamburg. In diese Zeit fiel die große Sturmflut (16./17. Februar 1962). Durch sein entschlossenes und unkonventionelles Krisenmanagement bei dieser Katastrophe wurde Schmidt weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt und erwarb hohe Popularität und großes Ansehen. In der Folgezeit übernahm Schmidt viele politische Ämter auch auf Bundesebene. Bereits 1953  war er Mitglied des Deutschen Bundestages geworden und danach immer wieder entweder über die Landesliste seiner Partei oder als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag eingezogen. Von 1966 bis 1969 führte er (zunächst für einige Monate kommissarisch und dann offiziell) die SPD-Fraktion im Bundestag. Nach dem Wahlsieg bei der Bundestagswahl 1969 und der Bildung der sozialliberalen Koalition mit der FDP wurde er von Willy Brandt zum Verteidigungsminister berufen. Im Jahr 1972 übernahm er dann von dem, von seinem Amt  zurückgetretenen, Karl Schiller das “Superministerium” des Finanz- und Wirtschaftsministers. Nach der Bundestagswahl 1972 wurde das Ministerium wieder aufgeteilt und Schmidt führte das Finanzministerium weiter. Nach dem Rücktritt Willy Brandts vom Kanzleramt im Jahr 1974 wurde Schmidt vom Bundestag zum fünften Bundeskanzler der BRD gewählt. Zu den größten Herausforderungen seiner Amtszeit zählten die weltweite Wirtschaftsrezession und die Ölkrise in den 70er Jahren sowie die atomare Aufrüstung von Sowjetunion und USA in deren Folge es zur Stationierung von Mittelstreckenraketen in der DDR (SS-20) und in der BRD (Pershing) kam. Eine ganz besondere und in dieser Art bisher nicht gekannte Herausforderung stellte auch der Terrorismus der Roten Armee Fraktion (RAF) dar. Die enorme Verantwortung für das Leben anderer, wie bei der Geiselnahme von Hanns Martin Schleyer, habe er als existenziell bedrückend empfunden, sagte Schmidt in einem Interview viele Jahre nach diesen Ereignissen. Schmidt war ein entschiedener Befürworter der Stromerzeugung aus Kernkraft. Es war seine Regierung, die 1977 den Bau einer Anlage zur Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen in Gorleben ins Visier nahm und vorantrieb. Am 01. Oktober 1982 endete Schmidts Kanzlerschaft durch ein konstruktives Misstrauensvotum bei dem mit den Stimmen von CDU/CSU und einer Mehrheit der FDP-Fraktion ein anderer Helmut zum neuen Bundeskanzler gewählt wurde: Helmut Kohl. Jetzt ist Helmut Schmidt im Alter von 96 Jahren in seiner Geburtsstadt Hamburg gestorben.


(C) Lothar Schulz 2015 - Helmut Schmidt bei Trauerfeier für Siegfried Lenz im Hamburger Michel

(C) Lothar Schulz 2015 - Helmut Schmidt bei Trauerfeier für Siegfried Lenz im Hamburger Michel

(C) Lothar Schulz 2015 - Helmut Schmidt bei Trauerfeier für Siegfried Lenz im Hamburger Michel

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