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„Die vier Gezeiten“: Die Buchrezension zum ersten Buch der Hamburger Autorin Anne Prettin

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Die vier Gezeiten Bastei Lübbe AG Autorin Anne Prettin Die vier Gezeiten

Die Insel Juist und die Macht der Gezeiten gehören nicht nur in diesem Erstlingswerk für immer zusammen. Die Hoteliersfamilie Kießling ist ein weiterer machtvoller Teil der beschaulichen Insel. Eduard Kießling ist Hotelier und  Bürgermeister der Insel, das Bundesverdienstkreuz soll er erhalten. Seine Frau Adda und seine drei Töchter sowie die Großmutter bestimmen zusammen mit ihm die weiteren Handlungsabläufe in dem Familienroman. Adda ahnt kaum, was ihr bevorsteht, als Helen aus Neuseeland auf Juist eintrifft. Adda und Helen sehen aus wie Verwandte, Helen ist auf der Suche nach ihrer Mutter und glaubt, bei Adda am Ziel der jahrelangen  Suche zu sein. Im familieneigenen Hotel de Tiden begann vor über 75 Jahren die Familiengeschichte der angesehenen Hoteliersfamilie, durch das Auftauchen von Helen bekommt das Geschehen dramatische Impulse und die Familienidylle bekommt Risse. Sagt Helen die Wahrheit? Im Verlaufe des Romans schildert die Autorin spannend das Rätsel rund um die Herkunft von Helen und verrät abschließend, ob Helen in Zukunft zur Kießling Familie auf der Norseeinsel Juist gehört oder nicht.

Generationen, Gezeiten und Geheimnisse?

Im Fokus des Romans stehen vier Frauencharaktere, die Ebbe und Flut ähneln, betont die Autorin. Jede Familie hat bestimmte Werte, für die Autorin spiegelt sich das Familienleben auf der Insel als Welt im Mini-Format mit emotionalen Höhen und Tiefen wider. Juist als natürliche Insel ist  für einen Teil der  Frauen ein Rückzugsort, der zum gesellschaftlichen Fiasko werden kann, weil Fluchtmöglichkeiten durch den begrenzten gesellschaftlichen Raum  fehlen. Die Zahl der Einwohner auf der Insel  ist überschaubar, die Schwestern im mittleren Alter sind wie die Ebbe, zurückgezogen und ruhig. Eine herannahende Flut symbolisieren die jüngste und die älteste Schwester, sie sind impulsiv und aufbrausend. Zwischen den Kießling Frauen herrscht zeitweise Sprachlosigkeit, durch die Unterschiedlichkeit der Frauencharaktere ist der Weg,  sich bei Konflikten zu einigen, zu oft versperrt. Der Kampf mit dem Meer kommt hinzu und schweißt Inselbewohner zusammen. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit wird durch anstehende Konflikte aller Art gefährdet. Fluch und Segen zugleich ist das Leben mit den Gezeiten und den vier Generationen, die mehr als ein Familiengeheimnis haben.

Emotionale Frauenschicksale aus unterschiedlichen Erzählperspektiven geschildert

Dr. Eduard Kießling hat sich als  Bürgermeister der beschaulichen Insel bezahlt gemacht und soll  mit dem Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste geehrt werden. Seine muntere Damenriege besteht aus Ehefrau Adda und den Töchtern Marijke, Theda und Frauke. Der spannende Familienroman wird durch mehr als einen Blickwinkel der Autorin auf diese Frauen und durch den gefühlvollen Schreibstil bereichert. Exklusive Momente der Protagonistinnen werden facettenreich und sprachlich brillant beleuchtet. Der flüssige Schreibstil regt zum Weiterlesen an, durch die bildhaften Darstellungen der Buchautorin wird klar, wie sich die Rolle der Frau im Laufe der Jahrzehnte geändert hat. Wenn sich die Frauen gut verstehen, ist Juist mit den vorhandenen Naturschönheiten ein harmonischer Ort zum Leben. Wie die Natur der Nordseeinsel unter dem Klimawandel und der Kraft der Gezeiten mit dem Dünenabbau leidet, leiden auch die Frauenfiguren unter den wechselnden Stimmungsschwankungen der zum Teil impulsiven Protagonistinnen.

Das Inselleben im Strudel der Emotionen

Addas guter Freund heißt Onno, sein freundliches und ausgeglichenes Wesen fällt angenehm auf. Als Wattführer zeigt er den Touristen, wo die Insel am schönsten ist. Im Strudel der weiblichen Emotionen ist Onno eine Art Anker, an dem sich Adda in stürmischen Momenten festhalten kann. Mit ihrem Mann Eduard und seinem Egoismus hat sie zu kämpfen, Freund Onno ist der gesuchte  warmherzige Gegenpol. Anne Prettin schafft es, einen Spannungsbogen aufzubauen, der erst am Ende des Buches emotional entladen wird. Ecken und Kanten der Frauenprofile werden detailliert geschildert, man möchte wissen, wie sich der Handlungsverlauf fortsetzt. Helen, die auf der Suche nach den eigenen Wurzeln ist, und deren Umgang mit der bekannte Hoteliersfamilie wird mitfühlend beschrieben.

Fazit zum Buch

Fast wie auf die Insel Juist versetzt, das Lesen des Buches bringt den Lesenden das Inselgeschehen anschaulich und bildhaft näher. Durch den bildhaften Schreibstil wird die Lesefreude bei interessierten Leser*innen geweckt. Die Inselgemeinschaft hat eine Fülle an menschlichen Facetten, die zum Dreh- und Angelpunkt  impulsiver Handlungsstränge werden. Adda ist als Ehefrau des Bürgermeisters ist ein lebendiger Charakter, kommenden Handlungsabläufe werden auch durch ihr Verhalten geprägt. Dunkle Zeiten der vergangenen deutschen Geschichte, die vor der Nordseeinsel gar keinen Halt gemacht haben, werden in den Verlauf der Handlung geschickt eingebaut. Das Geheimnis um Helen wird erst ganz zum Schluss, wenn die Handlungsstränge zusammenfließen, aufgelöst. Dezent wird hinter die Familiengeheimnisse und die Schicksale der Kießling Frauen mit einem  breit gefächerten Themenspektrum geschaut. Der Autorin Anne Prettin ist ein ausdrucksstarkes Erstlingswerk gelungen, dass die Zerrissenheit einiger Protagonistinnen und eine  bröckelnde Familienfassade deutlich macht.

Kurz-Porträt zur Autorin Anne Prettin

Die Autorin Anne Prettin hat neben Hamburg mehr als einen Ort, an dem sie sich wohlfühlt. Eigentlich liegt ihr Schwerpunkt beim  Reden schreiben für diverse Auftraggeber aus der Politik, der Wissenschaft oder der Wirtschaft. Studiert hat sie Politikwissenschaften und Soziologie an der Uni in Freiburg, Bordeaux und Hamburg. Als freie Journalistin ist die verheiratete Autorin für verschiedene Tageszeitungen aktiv. Mit ihrer eigenen  Familie hat Autorin Anne Prettin, in Neuseeland gelebt, während der Roman entstand. Aufgewachsen ist die vielgereiste Autorin in Oldenburg, von dort aus war die Erreichbarkeit zu Inseln wie Juist gegeben. Die Familie ihres Mannes stammt aus Juist, insofern hat sie den direkten Bezug zur Insel.

Informationen zum Verlag

Ein deutscher Publikumsverlag ist die Bastei Lübbe AG, das mittelständische Unternehmen liegt im Bereich Verlagswesen auf den vordersten Plätzen. Standorte wie Köln, Tschechien oder und Brünn sind das Aushängeschild der engagierten Unternehmensgruppe mit  zwölf einzelnen Verlagen. Belletristischer und populärwissenschaftlicher Inhalt wird in den Bastei Lübbe Bücher präsentiert, im Bereich der Belletristik gibt es zurzeit bis zu 3.600 Titel. Auf den  digitalen Medien liegt bei der Bastei Lübbe AG einer der Schwerpunkte. Das klassische Buch oder die in bestimmten Intervallen erscheinenden Romanhefte für unterwegs,  die zwei Segmente des Verlages kommen bei den Leser*innen gut an. Nationale und internationale Bestsellerautoren wie Ken Follett haben zusammen mit den Leser*innen für den Erfolgskurs der Bastei Lübbe AG gesorgt, der sich in Zukunft mit Autorinnen wie Anne Prettin  fortsetzen soll.

Details zum Buch

*Titel des Buches: Die vier Gezeiten

*Autorin: Anne Prettin

*Verlag: Bastei Lübbe AG

*1. Aufl. 2021

*Seitenzahl: 480

*Erscheinungstermin: 26. Februar 2021

*Sprache: Deutsch

*Rezensionsexemplar

*ISBN-13: 9783785727317

*ISBN-10: 3785727313

*Preis. 22,00 € Deutschland Printversion

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