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Deutschland erlebte sein Waterloo bei ESC-wer trägt die Verantwortung für das Debakel

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Deutschland erlebte sein Waterloo bei ESC-wer trägt die Verantwortung für das Debakel Måns Zelmerlöw (C) PHOTO CREDIT Eurovison
Eurovision Song Contest 2015: Italien war Publikumsliebling 

 

Deutschland erlebte sein Waterloo: Wer trägt die Verantwortung für das Debakel?

 

Wien/Frankfurt, 27. Mai 2015 - Beim Eurovision Song Contest in Wien war Bella Italia der absolute Publikumsliebling. Hätten die Zuschauer allein entscheiden können, wäre das italienische Tenöre-Trio Il Volo auf Platz eins gelandet. Und das nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Die Jury der 40 teilnehmenden Länder wählte Italien allerdings nur auf Platz 6 und somit kam ein dritter Platz im Gesamtranking heraus. Der Favorit und Sieger Måns Zelmerlöw, wurde mit frenetischen Jubel in Stockholm begrüßt und präsentierte am Sonntagnachmittag stolz mit einem breiten Grinsen im Gesicht Sieger-Trophäe. Dem 28-jährigen gelang im dritten ESC-Anlauf der Sieg mit dem Lied „Heroes“ für Schweden, noch vor der schönen Russin Polina Gargarina. Sängerinnen und Gruppen aus 27 Ländern waren in diesem Jahr beim ESC angetreten - so viele wie noch nie zuvor. Zum ersten Mal war auch Australien dabei.

Deutschland landete nach einer Korrektur nunmehr auf dem letzten Platz. Auch Gastgeber Österreich erlebte sein Waterloo: Null Punkte für The Makemakes im Endranking auf Platz 27. Nach der Regel der European Broadcasting Union wurde entschieden, dass bei Punktegleichheit der Teilnehmer derjenige vorne liegt, der einen früheren Startplatz hat. Damit liegt Österreich nun auf Platz 26, da sie auf Startplatz 14 aufgetreten sind. Ann Sophie – mit Startplatz 17 – die ursprünglich in der Finalnacht noch auf Platz 26 gelistet wurde, rutschte auf Platz 27 ab.

Das Debakel wird die Debatte über die Organisation des nationalen Vorentscheids wieder befeuern.  „Unser Paket aus Song, Performance und Inszenierung hat nicht ausreichend "connected", wie man in der Musikindustrie sagt“, resümiert ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber das katastrophale Abschneiden von Deutschlands Teilnehmerin Ann-Sophie. Es war schon einmal anders: In den Jahren zwischen 2010 und 2012 hatte der NDR mit dem Privatsender Pro Sieben und dessen Unterhaltungs-Frontmann Stefan Raab zusammen gearbeitet. Die Resultate konnten sich sehen lassen: Lenas spektakulärer Sieg in Oslo, danach ein 10. und ein 8. Platz. Seit 2013 sucht der NDR den deutschen Beitrag wieder alleine, und die Ergebnisse sprechen für sich: Platz 21 für Cascada, Platz 18 für Elaiza und nun der geteilte letzte Platz und kein einziger Punkt für Ann-Sophie.

Mit einer Einschaltquote von 8,11 Millionen Zuschauern wurde das seit sechs Jahren schlechteste Ergebnis erzielt. Scheinbar hat der Song Contest in seiner jetzigen Form an Attraktivität verloren. Doch Deutschland hat sein Debakel selbst verschuldet. Wenn ein Land eine zweitklassige Sängerin nach Wien schickt, die im Vorentscheid mit ihrem Song „Black Smoke“ sogar nur auf dem dritten Platz lag, denn ESC-Aussteiger Andreas Kümmert lag mit seinen beiden Songs klar vor ihr, dann muss man sich über das Abschneiden nicht wundern. Der Gesangswettbewerb ist in den letzten 60 Jahren so hoch professionell geworden, dass ein solcher Ausrutscher nicht verzeiht. In der ARD wird man nach dem Desaster über das Format und die Vorgehensweise nachdenken.

 

Ein Blick ins Siegerland könnte helfen. Denn von Schweden lernen, heißt siegen lernen. Nicht ohne Grund holten die Wikinger den „Pott“ schon sechs Mal. Die besten schwedischen Produzenten nehmen an dem seit 1958 stattfindenden Melodifestivalen teil, sind weltweit erfolgreich – auch da hat Deutschland seit Boney M., Scorpions oder James Last kaum etwas international zu bieten – und sie schicken ihre erfolgreichsten Stars in den nationalen Qualifikationswettbewerb. Es ist eine Ehre dabei zu sein. Und am Ende ist die größte Halle des Landes, die Friends Arena mit über 40.000 Zuschauern, regelmäßig ausverkauft mit einem Publikum, wie man es von „Wetten Dass?!“ kennt. Da kommen Großeltern und Eltern mit ihren Kindern und selbstgebastelten Anfeuerungsschildern -  prall gefüllt). Die Sendung erreicht jedes Jahr die höchste Einschaltquote. 

Text und Foto : Thomas Becker 

 

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