Log in

Letzte Fassadenteile der historischen Gastwirtschaft Fritz Wichmann abgebrochen

(0 Stimmen)
Leergeräumtes Grundstück der früheren Gastwirtschaft Fritz Wichmann Jens Schade Leergeräumtes Grundstück der früheren Gastwirtschaft Fritz Wichmann

HANNOVER. Dort wo einst die Prominenten und Mächtigen dieser Welt speisten, ist nun ein leergeräumtes Grundstück. Vor wenigen Tagen beseitigte ein Bagger auch die letzten Reste der Gastwirtschaft Fritz Wichmann an der Hildesheimer Straße im hannoverschen Stadtteil Döhren. Hier soll ein Luxushotel mit Tiefgarage errichtet werden. Eine Baugenehmigung für das Vorhaben hat die Stadt Hannover aber noch nicht erteilt.

In anderen Medien heißt es dazu, die traditionsreiche Gastwirtschaft Wichmann, deren Ursprünge noch in die Zeiten des alten Dorfes zurückgehen, habe nie unter Denkmalschutz gestanden. Jens Schade, Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtbezirksrat Döhren-Wülfel: „Das ist falsch. Die Gebäude standen ursprünglich auf der Liste der Baudenkmale. Deshalb waren wir alle im Bezirksrat zwar etwas beunruhigt, als bekannt wurde, dass das geschichtsträchtige Haus verkauft werden sollte, aber mit dem Denkmalschutzgesetz auf unserer Seite glaubten wir noch an die Bewahrung der historischen Gebäude.“ Doch eine Nachfrage von ihm beim Landesamt für Denkmalschutz ergab dann, dass die Gaststätte Wichmann von der Liste der Baudenkmale gestrichen worden war. Bezirksratsmitglied Schade: „Man sagte mir, dass eine Neubewertung vorgenommen worden sei.“ Ohne dass an der Bausubstanz irgendwelche aktuellen Eingriffe vorgenommen worden wären, wurde dem Gebäude die Eigenschaft als Baudenkmal „wegen der vielen in der Vergangenheit erfolgten baulichen Veränderungen“ nun auf einmal aberkannt.

Ursprünglich wurde vom Investor versprochen, zumindest die äußere Hülle der historischen Anlage, die auf einen 1885 errichteten Aussiedlerhof zurückgeht, zu erhalten. Dann wurde doch bis auf die Giebelseite das ganze Gebäude abgebrochen. Nun sind auch die letzten Fassadenteile gefallen, weil, wie es heißt, die Bausubstanz zu marode gewesen sei.

Die Mitglieder des Bezirksrates Döhren-Wülfel waren sich seinerzeit einig, dass alles getan werden sollte, um eine der letzten Erinnerungen an die dörfliche Vergangenheit zu erhalten. In einer Reihe von Anträgen und Anfragen insbesondere seitens der SPD und der CDU kam das Thema immer wieder auf die Tagesordnung der Ortspolitiker, ohne dass diese allerdings wegen der begrenzten Kompetenzen des Bezirksrates viel erreichen konnten. Immerhin setzte die Bürgervertretung auf Initiative der SPD eine Erhaltungssatzung durch. Die historische Bausubstanz konnte damit zwar nicht gerettet werden. Doch muss der Investor – nach Berichten in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wohl der hannoversche Wirtschaftsprüfer Paul Morzynski – nach dieser Satzung nun wenigsten einen Neubau in den Formen der früheren Gastwirtschaft Wichmann errichten.

 


Die Traditionsinsel aus der Zeit des Dorfes Döhren noch in alter Schönheit.

Lange Zeit standen noch Fassadenteile

Nun ist das Grundstück völlig leergeräumt

Schreibe einen Kommentar