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Aktuelle Nachrichten aus Hannover vom 22.Juni 2021

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Der Sommer wirft seine Schatten © Ulrich Stamm Der Sommer wirft seine Schatten © Ulrich Stamm

HANNOVER.

 

Stadt stellt Zwischenbericht zur Umfrage „Wohnungslosigkeit“ vor

Gesamtauswertung zusammen mit Bürgerpanel im Herbst 2021

Knapp 1.400 Menschen, davon mehr als 300 ohne festen Wohnsitz, haben im April an einer städtischen Umfrage zur Wahrnehmung von Wohnungslosigkeit in Hannover teilgenommen. Ziel war es, eine bessere Einschätzung für die Bedürfnisse der Menschen und der Wahrnehmung des Themas in der Gesamtbevölkerung zu erhalten. Sozialdezernentin Sylvia Bruns hat eine Kurzfassung der Ergebnisse heute (21. Juni 2021) im Sozialausschuss präsentiert. Sie sind, zusammen mit dem Bürgerpanel, das im Juli zum Thema „Wohnungslosigkeit“ startet, Teil einer Gesamtauswertung. Diese wird den Ratsgremien im Herbst vorgelegt. Die Umfrage ist auch ein Baustein der Bürger*innenbeteiligung im Rahmen des Innenstadtdialogs.

Oberbürgermeister Belit Onay zu den Ergebnissen: „Ich freue mich sehr über die große Resonanz zu dieser Umfrage. Es zeigt die Bedeutung des Themas in der Stadt und für die Stadtgesellschaft. Besonders hervorzuheben ist die große Beteiligung von persönlich betroffenen Menschen. Dies ermöglicht uns an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtete Angebote zu entwickeln. Die vorgestellten Ergebnisse machen zudem deutlich, dass die neueren Angebote, beispielsweise Housing-First-Projekte, das Modellprojekt Plan B OK und Straßensozialarbeit speziell für Frauen, in die richtige Richtung gehen. Gleichzeitig wird aber auch der Handlungsbedarf sichtbar, etwa beim Thema ‚Mehrsprachigkeit‘ von Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Diese Formate ermöglichen es uns, die Menschen noch passgenauer zu unterstützen. Ich danke allen Beteiligten für ihre Zeit und die wertvollen Informationen.“

Sozialdezernentin Sylvia Bruns unterstreicht: „Insbesondere die Online-Umfrage, aber auch das für Juli 2021 geplante Bürgerpanel ergänzen bereits vorhandenes Wissen und Erkenntnisse über die Situation und Lebenslage wohnungsloser Menschen sowie über die Vielfalt der Haltungen zum Thema Wohnungslosigkeit. Diese Formate sind wichtige Beteiligungsangebote, neben dem neuen Format ‚Runder Tisch Wohnungslosigkeit‘“.

Eckdaten der Umfrage

Die Umfrage richtete sich sowohl an Menschen mit festem Wohnsitz als auch explizit an wohnungslose Menschen. Der Fragebogen enthielt je nach Filterfunktion bis zu vierzehn Fragen, u.a. auch die Abfrage zu soziodemographischen Eckdaten. Um auch nicht deutschsprachigen, wohnungslosen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, wurde die Befragung durch 16 mehrsprachige* Interviewer*innen unterstützt, darunter Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung, (Straßen-) Sozialarbeit, Integrationsmanagement, Koordinierungsstelle Südosteuropa sowie Ehrenamtliche. Die Interviewer*innen waren eine Woche lang im Stadtgebiet an 20 Standorten unterwegs. Sie suchten – jeweils zu zweit -  zu unterschiedlichen Tageszeiten Einrichtungen auf, die sich an wohnungslose Menschen oder drogenkonsumierende Menschen richten, meist in der Innenstadt und in Bahnhofsnähe, aber auch an Unterkünften. Mit Tablets ausgestattet konnten auf diese Weise auch Menschen erreicht werden, die über kein eigenes Smartphone oder Internet verfügen.

Teilgenommen haben 1.030 Personen mit festem Wohnsitz und 331 Personen ohne festen Wohnsitz. Unter den 331 wohnungslosen Menschen waren 211 Männer, 59 Frauen und 4 diverse Menschen. Die Teilnehmenden waren überwiegend im Alter von 35 bis 54 Jahren. Es handelte sich dabei zum großen Teil um alleinlebende Männer, aber auch um Paare oder Familien mit minderjährigen Kinder.

Unter den 1.030 Teilnehmer*innen mit festem Wohnsitz waren vorwiegend Frauen, im Alter von 25 bis 64 Jahren und ohne Migrationshintergrund. Nahezu alle sind deutschsprachig. Drei Viertel der Befragten haben ihren Wohnsitz in Hannover (vorwiegend in Linden, Südstadt und List), knapp ein weiteres Fünftel wohnt in einer anderen Kommune der Region.

* Sprachen (neben Deutsch): Polnisch, Russisch, Rumänisch, Bulgarisch, Englisch, Spanisch

Ergebnisse der Befragung von Menschen ohne festen Wohnsitz

  • Fast drei Viertel (73 Prozent) der wohnungslosen Menschen sucht eine Wohnung. Die am häufigsten genannten Probleme bei der Wohnungssuche waren der Preis („zu teuer“), Schulden- oder Schufa-Einträge oder „das schaffe ich nicht alleine“ (jeweils über 40 Prozent der Nennungen, Mehrfachnennungen waren möglich). Auch die Antwort „Vermieter wollen mich nicht“ wurde von über einem Drittel als Problem angegeben. Fast ein Fünftel der Befragten gab an, dass sie keinen Anspruch auf eine Wohnung in Hannover haben (vgl. Abb. 1).
  • Jeweils fast zwei Drittel antwortete auf die Frage „Brauchen /möchten Sie Unterstützung bei der Wohnungssuche?“ mit „ja, jemand, der sucht“ oder „ja, jemand, der begleitet“. Fast ein Viertel gab an, dass „sprachliche Hilfen“ zur Unterstützung bei der Wohnungssuche benötigt werden (Mehrfachnennungen möglich).
  • Rund 27 Prozent der Antwortenden sucht nachts eine Notunterkunft auf. Jeweils rund ein Viertel gibt an, sich „irgendwo draußen“ aufzuhalten oder in einer „festen Unterkunft für wohnungslose Menschen“.  Etwa 15 Prozent gab an, nachts bei „Freunden oder Bekannten“ zu sein oder „das möchte ich nicht sagen“ (vgl. Abb. 2).
  • Auf die Frage nach Hilfen in der aktuellen Situation, entfielen die meisten Antworten - abgesehen von einer „eigenen Wohnung“ (73 Prozent) - auf Soziale Arbeit (51 Prozent), medizinische Versorgung (44 %) Unterkünfte mit Einzelzimmer (42 %) sowie Information und Beratung (32 Prozent), Essensausgaben / Tafeln (32 Prozent), Therapieplätze (z.B. Sucht- oder Psychotherapie) (31 Prozent), (vgl. Abb. 3).
  • Zu konkreten Maßnahmen, die die individuelle Situation verbessern würden, wurde am häufigsten der Wunsch nach deutlich mehr bezahlbarem Wohnraum im Stadtgebiet geäußert, aber auch nach mehrsprachiger Unterstützung und Beratung.
  • Vereinzelt gab es Hinweise auf Gewalterfahrungen innerhalb und außerhalb von Unterkünften oder Rassismuserfahrungen, auch auf dem Mietwohnungsmarkt.

Ergebnisse der Befragung von Menschen mit festem Wohnsitz

  • „Nehmen Sie Wohnungslosigkeit in Hannover wahr?“ richtete sich als erste Frage an die Menschen mit festem Wohnsitz. Nahezu alle Befragten unabhängig von Geschlecht, Alter oder Migrationshintergrund gaben an, Wohnungslosigkeit in der Stadt Hannover wahrzunehmen, sei es im Stadtbild, in Kenntnis der Orte für Hilfsangebote oder über die Medienberichterstattung.
  • Mehr als die Hälfte der Antwortenden nannte den Stadtteil Mitte als Ort, an dem Wohnungslosigkeit wahrgenommen wird. Angegeben wurden Standorte rund um den Kröpcke, am Opernplatz und in Bahnhofsnähe. Einen Stadtteil außerhalb der Innenstadt nannten ebenfalls mehr als die Hälfte der Antwortenden (Absteigend: Linden, List, Oststadt, Nordstadt, Südstadt).
  • Einen ganz konkreten Ort in der Innenstadt, an dem sich wohnungslose Menschen aufhalten, nannten 436 Befragte. 289 Befragte gaben einen konkreten Ort in einem anderen Stadtteil Hannovers an.
  • Wohnungslose Menschen werden an den konkreten Orten mehrheitlich wie folgt angetroffen: täglich, im ganzen Jahr, den ganzen Tag. Es handelt sich vorwiegend um Erwachsene (ohne Kinder / keine Senior*innen), darunter vor allem Männer. Es wurden aber auch Jugendliche und junge Erwachsene wahrgenommen.
  • Fast 70 Prozent der Befragten ist es „sehr wichtig“, dass es Hilfen und Unterstützung für wohnungslose Menschen in Hannover gibt (vgl. Abb.4).
  • Jede*r sechste Befragte gab an, sich bereits ehrenamtlich in der Wohnungslosenhilfe zu engagieren, gut ein weiteres Viertel kann es sich vorstellen, ehrenamtlich für wohnungslose Menschen tätig zu sein (vgl. Abb.5).
  • Zielgruppen, für die sich die Befragten besonders einsetzen möchten, sind vor allem Frauen, Kinder und Jugendliche, Familien/Eltern, Suchtkranke oder wohnungslose Menschen bestimmter Nationalität bzw. Sprache.
  • Zur Frage der Eröffnung eines neuen Hilfsangebotes in der Nachbarschaft, sagten zwei Drittel „gut, es muss Hilfen geben“, weitere rund 20 Prozent fänden dies „gut“ und würden sich dort engagieren wollen. Ebenfalls gut 20 Prozent fänden dies „gut, sorgen sich aber um Probleme in der Nachbarschaft“. Sechs Prozent der Teilnehmenden sprach sich dagegen aus. Laut Umfrage stehen Frauen einem solchen Hilfsangebot positiver gegenüber, ebenso Befragte mit Migrationshintergrund und auch junge Menschen. Je älter die Befragten sind, desto eher gab es Bedenken oder Ablehnung.

 

Bürgerpanel: Regelmäßige (Online-)Befragungen von Einwohner*innen. Das Bürger-Panel Hannover besteht seit 2012. In ihm sind zurzeit 2.350 Einwohner*innen Hannovers in repräsentativer Zusammensetzung (Alter und Geschlecht) vertreten. Sie werden regelmäßig zu aktuellen stadtpolitischen Themen befragt, ca. 80 Prozent online.

 

Die Informations-Graphiken (Quelle: Landeshauptstadt Hannover, Dezernat für Soziales und Integration).

 

Musikschule der Landeshauptstadt Hannover feiert digitalen Aktionstag am 26. Juni

Einen digitalen Aktionstag feiert die Musikschule der Landeshauptstadt Hannover am Sonnabend (26. Juni) von 10 bis 14 Uhr auf musikschule-hannover.de.

In Zoom-Konferenzen informiert die Musikschule über ihr vielfältiges musikalisches Angebot aus den Bereichen Instrumentalunterricht, Chor und Tanz. Viele Angebote laden auch zum Mitmachen ein. Dazu gehören das Klangexperiment am Küchenschrank, freche Lieder zum Mitsingen oder auch Hiphop auf dem Wohnzimmer-Teppich.

Für Fragen und Beratungen stehen die Lehrkräfte zur Verfügung. Sie geben beispielsweise Auskunft darüber, ab welchem Alter Geige gelernt werden kann, was für Angebote es für dreijährige Kinder gibt, wie der Ton einer Gitarre entsteht und wie die Anmeldung funktioniert. Informationen zum Programm gibt es auf musikschule-hannover.de.

Zusätzlich gibt es am Dienstag (29. Juni) von 20.15 bis 21.15 Uhr eine Beratungsstunde für Eltern zu den Musikschulangeboten in den Bereichen Elementare Musik, Chor und Tanz.

 

Start in die „Sport im Park – Saison 2021“

Heute, am 21. Juni, startet die beliebte Veranstaltungsreihe "Sport im Park" und wird bis zum 12. September 2021 stadtweit durchgeführt. Nach einer langen Zeit der Einschränkungen kann der städtische Fachbereich Sport, Bäder und Eventmanagement den Teilnehmenden wieder ehr vielseitige Sport- und Bewegungsangebote ermöglichen. Dank der tatkräftigen Unterstützung zahlreicher Sportvereine und Einrichtungen unserer Stadt kommt Hannover bei insgesamt über 1.000 Sportterminen in Bewegung.

Die diesjährige "Sport im Park“ - Saison wird durch die Aktion „Hannover, eine umweltbewusste Sportstadt!“ ergänzt. Alle Teilnehmenden sind aufgerufen, die Kurse nicht mit dem Pkw aufzusuchen und die Parkflächen für Mitmenschen mit Handicap freizuhalten, damit allen die Teilnahme umweltbewusst ermöglicht wird.

Anmeldung erforderlich

Aktuell sind die Personenbeschränkungen aus den Corona-Regelungen für Freizeit- und Amateursport unter freiem Himmel aufgehoben. Der städtische Fachbereich Sport, Bäder und Eventmanagement behält sich aber vor, die Teilnahmebedingungen laufend an die gesetzlichen Corona-Vorgaben bei Neuentwicklungen anzupassen.

Das Programm sowie die Online-Anmeldung findet sich unter sportimpark-hannover.de.

In Ausnahmefällen kann eine Anmeldung auch telefonisch unter 0511/168-36556 entgegengenommen werden.

 

Ausschreibung zum STADT-HANNOVER-PREIS „Frauen machen Standort“ 2021 startet

Zum 20. Mal wird der STADT-HANNOVER-PREIS „Frauen machen Standort“ in diesem Jahr vergeben. Mit dieser Auszeichnung für das Engagement, den Einsatz und den Erfolg von Frauen in der hannoverschen Wirtschaft wird eine wichtige Tradition fortgeführt. Um den mit 10.000 Euro dotierten Preis können sich Unternehmerinnen, Selbstständige oder Freiberuflerinnen sowie Geschäftsführerinnen bewerben.

Der Schwerpunkt der Ausschreibung in diesem Jahr ist die „Strukturelle Veränderung und damit erfolgreiche Umsetzung zukunftsweisender Arbeitsformen unter Corona-Bedingungen“. So soll eine Unternehmerin ausgezeichnet werden, die in der Pandemiezeit besonders erfolgreich innovative Veränderungen und Zukunftsstrategien für das eigene Unternehmen entwickelt und umgesetzt hat. Nachhaltigkeitsgrundsätze und Geschlechtergerechtigkeit werden bei der Preisvergabe ebenfalls berücksichtigt.

Bewerben können sich Frauen aus den unterschiedlichsten Branchen. Voraussetzung ist, dass ihr Unternehmen in der Landeshauptstadt Hannover (LHH) ansässig und bereits seit drei Jahren erfolgreich am Markt ist. Kurzum: Gesucht wird die hannoversche Unternehmerin des Jahres 2021.

Über die Vergabe des STADT-HANNOVER-PREISES entscheidet eine Jury aus Vertreter*innen von Politik, Verwaltung, Gewerkschaft und Wirtschaftsorganisationen unter Federführung von Friederike Kämpfe, Gleichstellungsbeauftragte der LHH. Die Preisverleihung und Würdigung der Preisträgerin erfolgt voraussichtlich Ende des Jahres und abhängig von den dann gültigen Rahmenbedingungen.

Ab heute (21. Juni) bis einschließlich 20. September ist eine Bewerbung möglich. Es können auch Vorschläge eingereicht werden. Die vorgeschlagene Person muss jedoch darüber informiert sein und es muss eine aussagekräftige Bewerbung eingereicht werden. Weitere Informationen sowie die Bewerbungsunterlagen sind zu finden unter www.stadt-hannover-preis.de.

Statements

Sabine Tegtmeyer-Dette, Erste Stadträtin, Wirtschafts- und Umweltdezernentin:„Es ist nach wie vor die bittere Realität, dass Frauen in den Top-Positionen der Wirtschaft, insgesamt auf Führungsebenen sowie bei der Gründung von Unternehmen unterrepräsentiert sind. Deswegen ist es unerlässlich, dass wir uns weiter mit dem Thema beschäftigen – um Fortschritt und Veränderung voranzutreiben. Die Landeshauptstadt Hannover setzt sich seit Jahren gemeinsam mit vielen Kooperationspartner*innen für mehr Geschlechtergerechtigkeit ein und der STADT-HANNOVER-PREIS „Frauen machen Standort“ ist ein sehr wertvoller Bestandteil dieses Engagements. Durch die Corona-Pandemie sehen sich zahlreiche Unternehmerinnen zurzeit mit besonderen Erschwernissen konfrontiert. Gerade vor diesem Hintergrund soll durch den STADT-HANNOVER-PREIS der Leistung der vielen engagierten Frauen in der hannoverschen Wirtschaft Rechnung getragen werden.“

Friederike Kämpfe, Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt Hannover:„Der STADT-HANNOVER-PREIS zeigt wieder und wieder, wie erfolgreich Frauen in Führungspositionen in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen sind. Jedes Jahr verdeutlicht er aufs Neue, wie viele hervorragende Unternehmerinnen es in Hannover gibt, und mit welcher Ausdauer, Kompetenz und Kreativität sie ihre Unternehmen erfolgreich führen und weiterentwickeln. Wir freuen uns, dass in diesem Jahr bereits die 20. Preisverleihung stattfinden kann. Die bisherigen Preisträgerinnen machen die Bedeutung von Frauen für die hannoversche Wirtschaft deutlich und sind für viele andere Frauen Vorbilder.Aufgrund der besonderen pandemischen Situation, die seit März 2020 besteht, liegt der diesjährige Schwerpunkt der Ausschreibung des STADT-HANNOVER-PREISES auf dem Umgang mit der Corona-Krise. Und zwar werden in diesem Jahr – branchenübergreifend – Bewerberinnen gesucht, die in ihrem Unternehmen strukturelle Veränderungen vorgenommen haben und damit zukunftsweisende Arbeitsformen umsetzen. Wir freuen uns auf vielfältige Bewerbungen.“

 

Verkehrsversuch: Mehr Platz für Radverkehr am Schiffgraben

Auf politischen Antrag wird ab der kommenden Woche (25. Kalenderwoche) auf der östlichen Fahrbahnseite des Schiffgrabens in Richtung stadtauswärts eine der beiden vorhandenen Fahrspuren dem Individualverkehr entzogen und durch entsprechende Markierung für den Radverkehr zur Verfügung gestellt. Die Maßnahme erstreckt sich von der Einmündung der Lavesstraße bis zur Einmündung Hinüberstraße unter der Brücke der Deutschen Bahn. Aufgrund der eingeschränkten Platzverhältnisse im Bereich des Brückenbauwerkes kann so auf diesem Teilstück eine breite Radverkehrsanlage für Radfahrende eingerichtet werden.

Es ist beabsichtigt, die Verkehrseinflüsse zu dokumentieren und eng zu begleiten, um nach Ablauf des Verkehrsversuches Rückschlüsse auf eine dauerhafte Lösung zu entwickeln.

 

Zwischenbilanz: Gemeinsames Modellprojekt schafft Bleiberecht für viele Langzeitgeduldete

 

Viele Menschen, die längst Teil der Gesellschaft geworden sind, leben eine lange Zeit mit einer Duldung. Denn auf dem Weg in ein gesichertes Bleiberecht gibt es zahlreiche Hürden. Diesen Hürden und möglichen Lösungen widmen sich die Landeshauptstadt Hannover, der Flüchtlingsrat Niedersachsen und kargah e.V. gemeinsam mit weiteren lokalen Beratungsstellen seit Mai 2020 im Modellprojekt „Wege ins Bleiberecht“. Die Zwischenbilanz nach dem ersten Projektjahr fällt positiv aus.

In dem Modellprojekt wirken die beteiligten Akteure im Sinne der Betroffenen zusammen. Die Ausländerbehörde der Landeshauptstadt, der auch so die fortlaufende Prüfung von Bleiberechtsmöglichkeiten obliegt, sichtet systematisch die Fälle und schreibt die Projektteilnehmer*innen an.  Flüchtlingsrat, kargah und die weiteren Beratungsstellen fungieren als Anlaufstellen für die Betroffenen und beraten sie individuell. Gemeinsam suchen die Beteiligten nach Lösungen, damit die Betroffenen von einer der aktuellen Bleiberechtsregelungen profitieren können. Schon im ersten Projektjahr konnten durch dieses Zusammenwirken viele Menschen, die schon lange in Deutschland leben, aus der Duldung in einen sicheren Aufenthalt kommen.

Belit Onay, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover:

„Diejenigen, die schon längere Zeit hier leben und gut integriert sind, brauchen dringend eine Perspektive - ich mache mich für das gemeinsame Projekt mit dem Flüchtlingsrat und kargah stark. In Angst oder Unsicherheit leben zu müssen, weil die eigene Bleiberechtsperspektive nicht geklärt ist - das ist nicht akzeptabel. Das Modellprojekt hilft uns, Sonderfälle mit positiver Perspektive zu identifizieren und Rechtssicherheit zu schaffen – es ist für alle Beteiligten ein Gewinn!“

Claire Deery, Vorsitzende des Flüchtlingsrats Niedersachsen e.V.:

„Grundsätzlich brauchen wir bundesweit eine Liberalisierung der Bleiberechtsregelung, wie sie erst kürzlich die niedersächsische Kommission zu Fragen der Migration und Teilhabe gefordert hat. Aber auch wenn der Rechtsrahmen zu viele Hürden setzt, zeigt das gemeinsame Modellprojekt in der Landeshauptstadt Hannover, dass kommunal einiges erreicht werden kann und viele Menschen ein Bleiberecht erhalten können. Das Besondere unseres Projektes ist die systematische Sichtung aller Fälle, eine wohlwollende Haltung der Ausländerbehörde und ein vertrauensvoller Austausch aller Beteiligten. Damit unterstützen wir die Menschen mit Duldungen, die in Hannover leben und endlich eine Perspektive und Sicherheit brauchen.“

Dr. Axel von der Ohe, Ordnungsdezernent der Landeshauptstadt Hannover:

„Zuwanderung ist kein rein ordnungspolitisches Thema, soziale, kulturelle und gesellschaftliche Aspekte spielen eine wichtige Rolle bei der Integration. Die Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen und kargah helfen uns, die Bedürfnisse von Langzeitgeduldeten in der Landeshauptstadt besser zu erfassen, systematischer auf sie zu reagieren und – wo es möglich ist – Perspektiven zu eröffnen. Die Ausländerbehörde der Landeshauptstadt leistet in diesem Bereich bereits gute Arbeit. Ich bin froh, dass es nach und nach gelingt, hier noch besser zu werden.“

Carmen Schaper, kargah e.V.:

„Damit langjährig Geduldete die existierenden Bleiberechtsmöglichkeiten nutzen können, müssen sie verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Hier ist die noch konsequentere Nutzung von Ermessensspielräumen notwendig.  In aller Regel ist auch die Vorlage eines Nationalpasses eine Voraussetzung für einen Aufenthalt, was für die Betroffenen oft mit großer Angst vor Abschiebung verbunden ist.

Die Abstimmung eines Vorgehens, die klare Benennung noch fehlender Voraussetzungen für ein Bleiberecht und die Inaussichtstellung, bei Erfüllung dieser Voraussetzungen ein Bleiberecht zu erteilen, erleichtern es sehr, Ratsuchenden ihre Angst vor Abschiebung zu nehmen und sie stattdessen auf ihrem Weg zu einem sicheren Aufenthalt in Deutschland zu begleiten.“

 

Das auf drei Jahre angelegte Modellprojekt „WIB. Wege ins Bleiberecht“ des Flüchtlingsrats Niedersachsen wird seit dem 1. Juli 2019 vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gefördert. Im Rahmen des Projektes werden gemeinsame Modelle für eine bleiberechtsorientierte Perspektive für Langzeitgeduldete entwickelt.

Die Landeshauptstadt Hannover war die erste Kommune, mit der der Flüchtlingsrat eine Kooperationsvereinbarung im Rahmen des Bleiberechtsprojekts abgeschlossen hat. Den operativen Start erlebte das Modellprojekt in der Landeshauptstadt Hannover im Mai 2020.

Insgesamt befanden sich zum Projektstart 1207 geduldete Menschen in der Landeshauptstadt Hannover.  Hiervon leben mittlerweile 597 Geduldete bereits seit sechs oder mehr Jahren in Deutschland. Von Mai 2020 bis Mai 2021 konnten 139 Geduldete von einer der vielen Bleiberechtsregelungen profitieren – teils durch die Prüfung von Bleiberechtsmöglichkeiten durch die Landeshauptstadt Hannover, teils durch die Beratungen im Rahmen des Projekts.

Die Duldung ist kein Aufenthaltstitel, sondern eine in der Regel jeweils nur für einige Monate gültige Aussetzung der Abschiebung aus dringenden humanitären oder persönlichen Gründen. Viele geduldete Menschen arbeiten, andere unterliegen einem Arbeitsverbot.

Zwar bestehen für Geduldete verschiedene gesetzliche Bleiberechtsregelungen. Einem Bleiberecht stehen aber in der Praxis oftmals zahlreiche Hürden entgegen. Mit dem Modellprojekt sollen für diese Hürden in möglichst vielen Fällen Lösungen gefunden werden.

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