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Warnstreik für Tarifvertrag legt Giesener Tapetenfabrik lahm

Warnstreik für Tarifvertrag legt Giesener Tapetenfabrik lahm Warnstreik (C) Ulrich Stamm

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Warnstreik für Tarifvertrag legt Giesener Tapetenfabrik lahm

·         Tapetenfabrik „Wallcover Tapetenproduktions GmbH“ bestreikt

·         Beschäftigte setzen gesamte Produktion einen Tag aus

·         Fast komplette Belegschaft an 24-stündigem Warnstreik beteiligt

·         Arbeitskampf führt zu erneutem Gesprächsangebot der Geschäftsführung

 

GIESEN. Ein 24-stündiger Warnstreik der Gewerkschaft ver.di hat die Produktion in der Tapetenfabrik Wallcover Tapetenproduktions GmbH bis zum Morgen des 22. September komplett stillgelegt und das Ziel der knapp 130 Beschäftigten erreicht: Lars Weyer, Finanzchef des Betriebs in Giesen bei Hildesheim, machte zwei Terminvorschläge für Tarifverhandlungen. Bisher hatte er ernsthafte Tarifverhandlungen durch wiederholtes Verschieben von vereinbarten Terminen blockiert.

Die Beschäftigten fordern einen Tarifvertrag, der ihnen die Regelungen des bundesweiten Flächentarifvertrags ihrer Branche gewährt, wie etwa die 35 Stunden Woche. Gemessen daran leisten sie derzeit knapp 10 Prozent ihrer Arbeitszeit unentgeltlich, mindestens 2,5 Stunden pro Woche zusätzlich zu der regulären Arbeitszeit von 35 Stunden. Die unbezahlte Mehrarbeit wurde vor acht Jahren als Übergangsregelung zur Sanierung des Betriebs eingeführt, aber nie zurückgenommen.

Wallcover ist derzeit nicht tarifgebunden, obwohl es auf der Grundlage einer Vereinbarung mit dem Betriebsrat teilweise Leistungen gewährt, die denen des Tarifvertrages entsprechen. Die Beschäftigten fordern trotzdem einen Tarifvertrag, um ihre Arbeitszeit voll bezahlt zu bekommen und dafür gegebenenfalls Arbeitskampfmaßnahmen ergreifen zu können.

Ein Tarifvertrag wird zwischen einer Gewerkschaft als unabhängiger Organisation und dem Unternehmen oder einem Arbeitgeberverband geschlossen und steht in der Rechtskraft über einer sogenannten „Betriebsvereinbarung“ zwischen Unternehmen und Betriebsrat.

Die Kolleginnen und Kollegen haben mit diesem Arbeitskampf enormen Mut gegenüber einer Geschäftsführung gezeigt, die sich nicht scheute, den zuständigen Gewerkschaftssekretär Peter Dinkloh scharf anzugreifen sowie den Streik der Beschäftigten als „rechtswidrig“ zu diffamieren.

Jürgen Groth, neben Weyer Geschäftsführer des Unternehmens, warf Gewerkschaftssekretär Peter Dinkloh „Hausfriedensbruch“ vor, behinderte ihn bei der Information der Beschäftigten und versuchte, ihn des Betriebs zu verweisen – trotzdem eine sogenannte Betriebsbegehung eine übliche gewerkschaftliche Maßnahme zum Zwecke der Gewinnung von Mitgliedern ist.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sahen sich in drei, vor dem Streik kurzfristig einberufenen Beschäftigtenversammlungen massiven Einschüchterungsversuchen durch Groth ausgesetzt, der versuchte den Beschäftigten ihr Grundrecht auf Streik abzusprechen. Auf einem von ihm verteilten Flugblatt warnte er sie, wer streikt, „verletzt seinen Arbeitsvertrag“ und „nimmt arbeitsrechtliche Folgen in Kauf“ – trotzdem ein Streik ein anerkanntes Grundrecht ist.

Die Tatsache, dass er den Streik als „rechtswidrig“ bezeichnete, aber keine unverzüglichen Rechtsmittel dagegen einlegte, entlarvt diese Aussage, wie auch die Warnungen an die Beschäftigten, als leere Drohungen.

Ver.di hatte die Geschäftsführung des Unternehmens im Februar zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Seitdem hat ein Gespräch im Mai stattgefunden, ein weiteres für den August geplantes Gespräch hat Geschäftsführer Weyer kurzfristig abgesagt. Nach massiver gewerkschaftlicher Präsenz im Betrieb hat die Geschäftsführung erst Gespräche nicht vor November, dann im Oktober angeboten.

Die enorme zeitliche Verzögerung der Verhandlungen, die damit einhergeht, betrachten die Gewerkschaftsmitglieder im Betrieb als Hinhaltetaktik und hatten sich daher zu diesem Warnstreik entschlossen. Ziel war, ein deutliches Signal ihrer Entschlossenheit, einen Tarifvertrag zu verhandeln zu senden.

Sowohl die Streikforderungen wie auch der Entschluss, einen eintägigen Ausstand durchzuführen, haben die Gewerkschaftsmitglieder demokratisch beschlossen. Der Streik wird durch eine Tarifkommission gesteuert, die die im Betrieb organisierten ver.di Mitglieder aus ihren Reihen gewählt haben. Diese Tarifkommission wird nun auch über das weitere Vorgehen entscheiden.

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