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Schloss Marienburg: Freier Eintritt für Besucherinnen mit Namen „Marie“

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Schloss Marienburg: Freier Eintritt für Besucherinnen mit Namen „Marie“ Schloß Marienburg im Herbst (C) Patrice Kunte
Einzug der Königin vor 150 Jahren

Freier Eintritt für Besucherinnen mit Namen „Marie“

Vor 150 Jahren, am 27. September 1866 nachmittags,schickte Marie, die letzte Königin auf Hannovers Thron, ein Telegramm an Ihren Gemahl nach Wien: “Mit Liebe überall hierher begleitet, herrliches Wetter, lauter Frieden...“. Es beschreibt ihren Einzug auf Schloss Marienburg, ihrem „Kleinen Eldorado“. Mit ihr waren die Töchter Friederike und Mary sowie ein 40-köpfiger Hofstaat auf der Sommerresidenz bei Nordstemmen eingetroffen. Im Alter von 48 Jahren bezog die Königin zunächst provisorisch Ihre „Chinesischen Zimmer“. Die Prinzessinnen hatten ihr kleines Reich in den Gemächern im Westflügel und erkundeten alsbald Schloss und Park. In Erinnerung an den Einzug der Königin auf Schloss Marienburg erhalten am 27. September alle Besucherinnen, die Marie heißen oder den Namen in ihrem Vornamen tragen, gegen Vorlage eines Nachweises freien Eintritt zu der klassischen Schlossführung, der Ausstellungsführung oder erhalten das Kombiticket für beide Führungen gratis.

Das Schicksalsjahr 1866 war das Schicksalsjahr des Königreichs und der Königsfamilie. Maries Gemahl, der blinde König Georg V. war nach Österreich ins Exil gegangen, nachdem das Königreich von den Preußen annektiert worden war. Auf seine Bitte hin war die Familie im Hannoverschen Königreich geblieben, das er seit 1851 regiert hatte. Noch ahnte an jenem schönen Septembertag niemand, dass die Königin schon im nächsten Jahr von Schloss Marienburg aus die Flucht nach Österreich antreten sollte. So kam es, dass ihr „Eldorado“ nur wenige Monate von ihr und ihren Töchtern bewohnt wurde.

Zwar ist gemeinhin bekannt, dass das Schloss nahe Pattensen nach der Königin benannt ist, weil es ein Geschenk ihres Gemahl zu ihrem 40. Geburtstag war, doch wissen nur wenige, welch außergewöhnliche Monarchin Marie war Marie – eine moderne Königin Marie von Sachsen-Altenburg (1818-1907) war die älteste von sechs Schwestern, geboren im thüringischen Hildburghausen. Im Alter von 21 Jahren lernte die fromme Protestantin den blinden Kronprinzen und späteren König Georg V. in seiner Sommerresidenz Schloss Monbrillant in Hannover kennen. Schon bald verliebten sich die beiden unsterblich bei einem Sommerurlaub auf der Insel Norderney. Sie heirateten am 18. Februar 1843 in der Schlosskirche von Hannover.

Die Kronprinzessin war dem Pietismus zugeneigt, womit sie mit ihrem Schwiegervater in Widerspruch geriet... Das junge Paar lebte zurückgezogen und bescheiden, was König Ernst August als zu bürgerlich empfand. Da Marie ihre Kinder selbst stillte, wofür einer Adligen für gewöhnlich Ammen zustanden, weigerte sich ihr Schwiegervater, mit ihr an einer Tafel zu speisen. Außerdem missbilligte er, dass Marie und Georg zusammen in einer Kutsche fuhren. In der Bevölkerung war das Kronprinzenpaar jedoch äußerst beliebt. So gilt als überliefert, dass Marie ihren Gatten zärtlich „mein Männi“ oder „Engelsmann“ nannte und daraus auch keinen Hehl machte. Von 1851 bis 1866 war Marie an der Seite ihres Mannes die letzte Königin auf Hannovers Thron. In diesen Jahren erlebten das höfische und das bürgerliche Musikleben Hannovers einen großen Aufschwung. König Georg gab als Pianist und Komponist dazu entscheidende Anregungen. Und auch die Königin liebte und förderte die Musik. Wie fortschrittlich und bürgernah sie war, zeigte sich auch in ihrem karitativen Wirken. Im Jahr 1859 legte sie den Grundstein für das evangelisch-lutherische Diakonissenmutterhaus mit angeschlossenem Krankenhaus in Hannover. In Gedenken an ihre Großmutter nannte sie es Henriettenstiftung. Das Krankenhaus finanzierte sie weitestgehend aus ihren privaten Mitteln, aus dem Erbe ihrer Großmutter Henriette von Württemberg, der „Diakonissin im Fürstengewand“. Auch ist Marie Namenspatronin des Marienhospital Osnabrück, das sie zu seiner Gründung im Jahr 1859 und darüber hinaus finanziell unterstützte. Zusammen mit ihrem Gemahl war sie Namensgeberin der heutigen Stadt Georgsmarienhütte bei Osnabrück.

 

Mythen und Märchen

Als zwischen 1858 und 1867 unter den Baumeistern Hase und Oppler das als „kleiner bescheidener Landsitz“ gedachte Schloss bei Nordstemmen entstand, waren es wohl die Märchen der Brüder Grimm, die die Königin zu ihrem einzigartigen Schlossbau inspiriert hatten. Die große Leidenschaft der Königin für Märchen, Mythen und Legenden ist auf ihrem Märchenschloss überall zu erkennen. Besonders stolz war Marie auf die Schlossküche, die seinerzeit hochmodern war. Deshalb, so wurde überliefert, hat die Königin Besuchern stets zuerst die Küche gezeigt. „Das Märchen von den Zwergen vom Marienberg“, an das sich eine ältere Dame aus Nordstemmen noch erinnerte (die Brüder Grimm kannten es leider nicht), wurde für die Königin aufgeschrieben. Auch ein weiteres Kunstmärchen wurde für sie erdacht. So baute die Königin ihr Märchenschloss ganz bewusst ins „Zwergenland hinter den Sieben Bergen“.

Als die Königin dem König am 23. Juli 1867 ins Exil folgte, konnte noch niemand ahnen, dass der Liebesbeweis ihres Gemahls eines Tages zu den eindrucksvollsten neugotischen Baudenkmälern Deutschlands gehören würde. In Österreich lebte die königliche Familie zunächst in Wien, bald schon wurde Gmunden am Traunsee zur neuen Heimat der Familie. Nach dem Tod Georgs V. (1878) wählte Königin Marie die Villa Thun in Gmunden als ihren Witwensitz, seither wird diese Villa „Königin von Hannover“ oder einfach „Königinvilla“ genannt. Die Villa befindet sich immer noch im Privatbesitz des Welfenhauses. 1907 starb Königin Marie in Gmunden, sie wurde in einem Mausoleum neben Schloss Cumberland beigesetzt, wo drei Jahre vor ihr auch ihr Nesthäkchen, ihre Tochter Mary ihre letzte Ruhe fand. Schloss Marienburg blieb trotz der preußischen Annexion immer im Besitz der Königin bzw. im Familienbesitz der Welfen. Seit einigen Jahren, erwacht aus einem längeren Dornröschenschlaf, verzaubert Schloss Marienburg seine Besucher immer wieder aufs Neue. Es beeindruckt mit seiner märchenhaften Erscheinung, seiner nahezu vollständig erhaltenen Innenausstattung und den unzähligen Türmchen und Zinnen. Das Schloss befindet sich heute im Besitz des Urururenkels von Königin Marie und König Georg V., S.K.H. Ernst August Erbprinz von Hannover.

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