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Das Geheimnis der Phaenomenale 2015 in Wolfsburg

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Das Geheimnis der Phaenomenale 2015 in Wolfsburg Das Geheimnis der Phaenomenale 2015 (C) Stadt Wolfsburg
Das Geheimnis der Phaenomenale 2015

 

Science & Art Festival, Wolfsburg

 

Die Phaenomenale 2015 (17.–27. September) trägt den Titel „Das Geheimnis“.  Das Science & Art Festival will in diesem Jahr kein Geheimnis bleiben, und auch nicht alle Geheimnisse lüften, sondern sich vielmehr  den verschiedenen Facetten des Begriffs Geheimnis widmen.

Die derzeitige politische Auseinandersetzung um das Sammeln von Informationen und um den nötigen Datenschutz macht uns die Wichtigkeit von Geheimnissen deutlich. Das Geheimnis bietet einen Schutzraum, und den brauchen alle. Machen Geheimnisse nicht das Individuum im Wesentlichen aus? Paradoxerweise Technologien (wie zum Beispiel Drohnen) entwickelt, um alle Geheimnisse zu lüften, während gleichzeitig Verschlüsselungs­software und -techniken entstehen, um Geheimnisse zu bewahren.

Die Phaenomenale untersucht die Faszination für Geheimnisse und Rätsel, die sich im kulturellen Bereich mit Krimis, Mystery, Geheimagententhrillern und Spielfilmen über Codes niederschlägt. Derweil arbeiten Wissenschaft und Forschung weiterhin an der Entschlüsselung zentraler Geheimnisse: Mit der Analyse der DNA und der Identifizierung des Higgs-Teilchens wurden wichtige Etappenziele  erreicht, doch die Zahl der wissenschaftlichen und medizinischen Rätsel scheint unermesslich.

Geheimnisse scheinen ökonomischen Interessen zuwiderzulaufen. Die Idee des gläsernen Kunden scheint ein Leitbild der Wirtschaft zu werden. Doch während die Konsumenten immer transparenter werden sollen, werden die Systeme, welche die Daten speichern und verwerten, immer undurchschaubarer.

In der Verbindung von Wissenschaft, Forschung, Kunst und Kultur ist die Phaenomenale einzigartig. Das Festival präsentiert die vielfältigen Anregungen rund um das Thema mit zahlreichen Veranstaltungen der unterschiedlichen Institutionen und Partner in Wolfsburg. www.phaenomenale.com.

Hier eine Auswahl:

Film: Die Wirklichkeit kommt, von Niels Bolbrinker, DE, 2013, 84 min., FSK 12, Hallenbad Kultur am Schachtweg, Kunstverein Wolfsburg // Der Dokumentarfilm von Regisseur Niels Bolbrinker gibt einen Einblick in Labors und Rüstungsfirmen, zeigt deren Analysetools und Überwachungsstrategien. Was wir sehen, gibt dem Thema Paranoia völlig neues  Futter: Beispielsweise werden Bewegungsmuster von Menschen eingelesen, analysiert und auf verdächtige Absichten hin untersucht; Kolibri-Drohnen werden gesteuert, fliegen bestimmte Ziele an und verwanzen die Umgebung. Jenseits eines abstrakten Big Data-Wahns wird sich bald ein Netz an konkreter Totalerfassung über unsere Wirklichkeit legen. Doch unter uns leben Menschen, die das alles schon seit langem wissen…

 


Das Geheimnis der Phaenomenale 2015 (C) Stadt Wolfsburg

Das Geheimnis der Phaenomenale 2015 (C) Stadt Wolfsburg

 

Ausstellung: Operation Mindfuck, Kunstverein Wolfsburg, 18.09.–08.11.2015 // Existiert ein Masterplan bestimmter Gruppen, der uns machtpolitisch lenkt? Das Thema Verschwörung ist momentan aktueller denn je. Überwachung, Abhörskandale, Datenklau: Heutige technische Möglichkeiten stellen einen fruchtbaren Nährboden für konspirative Machenschaften und Manipulationen dar. Dem gegenüber steht die jüngere Geschichte mit Fällen in denen das simplifizierte, angsterzeugende Weltbild der Verschwörungstheoretiker machtpolitisch missbraucht und zur Manipulation eingesetzt wird und wurde. Unabhängig davon ob wir den Inhalt von verschwörungstheoretischen Ansätzen wie sie sich bei Pegida, der Reichsbürgerbewegung oder 9/11 darstellen glauben oder nicht: Sie stellen uns sozialethische Fragen.

Die künstlerischen Arbeiten der Ausstellung spüren den Strukturen und der Faszination von Verschwörungstheorien nach und hinterfragen unsere Wirklichkeitskonstruktion. Künstler: Aram Bartholl, Sven Kalden, Sander Veenhof, Ivar Veermäe, Piet Wessing u. a.

Ausstellung & Preisverleihung: Human Interface Award & Social Media Art Award, phӕno, Ausstellung: 17. bis 27. September, Preisverleihung: 23. September, 19 Uhr // Die Phaenomenale lobt Preise in zwei Kategorien aus. Der Human Interface Award wird vom phӕno für eine Installation vergeben, mit der die Betrachter über eine Schnittstelle interagieren – Körpersensoren, Kamera-Tracking oder ungewöhnliche interaktive mechanische Schnittstellen. Der Social Media Art Award der Stadt Wolfsburg wird vergeben, um die Auswirkungen sozialer Medien auf künstlerisches Schaffen zu untersuchen.

Prämiert wird ein künstlerisches Werk, das auf Aktivitäten in sozialen Netzwerken basiert oder diese Formen der Kommunikation und Bedeutungsproduktion reflektiert und kommentiert. Die Arbeiten der Preisträger sowie einige von der Jury für die Shortlist ausgewählten Arbeiten werden während des Festivals ausgestellt.

Museumsführung: Im Visier der geheimen Staatspolizei, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Hoffmann-von-Fallersleben-Museum, Donnerstag, 24. September, 18 Uhr // Hoffmann von Fallersleben: geboren 1798 in Fallersleben, Professor für deutsche Sprache und Kultur an der Universität Breslau, Dichter, politischer Kämpfer für bürgerliche Rechte, deutsche Einheit und individuelle Freiheit.

Bekannt ist er bis heute – für hunderte Gedichte und Lieder, die er für Kinder schrieb, und seine zeitkritische Lyrik, die dritte Strophe seines Liedes der Deutschen ist Deutschlands Nationalhymne. Seiner „Unpolitischen Lieder“ wegen wurde er seines Hochschulamtes enthoben, es folgten Jahre auf der Flucht durch die vielen deutschen Länder. Und immer stand er unter Beobachtung der Spitzel der geheimen Staatspolizei. Akribisch lieferten diese Berichte. Diese sind in Auszügen im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum ausgestellt und Leitmotiv dieses Museumsrundgangs zur politischen Biographie Hoffmanns von Fallersleben. 

Installation: Waldprotokolle, Institut für Zeitgeschichte, Eröffnung: Freitag, 18. September, 19 Uhr // Die Waldprotokolle inszenieren die Absurdität der Überwachung. Der Künstler Florian Mehnert hat über Tage hinweg Wege und Lichtungen in Wäldern verwanzt. Seine dort installierten Mikrofone hörten vorbeigehende Passanten ab. Geräusche und Gespräche wurden aufgezeichnet und zu digitalen Spuren verarbeitet. Die Natur, der Wald, die letzte Rückzugsmöglichkeit, in der man glaubt ungestört und ungehört zu sein, wird abgehört. Es bleibt kein Ort des unbeobachteten Rückzugs mehr.

Workshop: Digitale Selbstverteidigung, Schutzmaßnahmen für Smartphone und Co  in Zeiten der Überwachungen und Spionage, Schiller40 Coworking Space im Kulturwerk, Dienstag, 22. September von 18:00 – 20:00 Uhr // Die Nutzung des Smartphones scheint in einer zunehmend digitalisierten Welt nicht mehr verzichtbar.

Muss man aber deshalb auf Privatsphäre und den Schutz von persönlichen Daten  verzichten? Wie kann ich meine Kommunikation sicher gestalten? Welche Schutzmöglichkeiten habe ich bei der Nutzung meines Smartphones? In diesem Workshop sollen Apps und Möglichkeiten aufgezeigt werden, die die individuelle Schutzstufe erhöhen und die Kommunikation gegen Angriffe von außen verteidigen.

Konzert: Phantom Ghost, phӕno, Freitag, 18. September. Einlass um 19.30 Uhr. Konzertbeginn um 20 Uhr. // Ihrer gemeinsamen Vorliebe für Erfundenes, Zusammengereimtes und Versponnenes gehen Dirk von Lowtzow (Sänger von Tocotronic) und Thies Mynther bereits seit zehn Jahren unter dem Namen Phantom/Ghost nach. Mit leichtem Gepäck reisen Phantom/Ghost auf ihrem inzwischen vierten Album durch eine heiter gestimmte Welt, die diesmal nicht von Geistern, sondern freundlichen Querulanten, vertrödelten Traumtänzern und sorglosen Müßiggängern bewohnt ist. Ein kleines und wunderliches Konzert, das allerdings nicht ohne störrische Momente verläuft. Denn nicht zuletzt singen Phantom/Ghost ein Loblied auf renitente, ungehorsame Gesten, die von närrischem Witz, aber auch großer Sanftmut bestimmt sind.

Vortrag: Das Geheimnis der Höhle, Leonardo da Vinci: weltberühmt und unbekannt Kulturabteilung der Italienischen Konsularagentur Wolfsburg, Montag, 21. September, 19.30 Uhr // Der Maler der Mona Lisa gilt als einer der berühmtesten Künstler aller Zeiten, obwohl nur wenige seiner Ölgemälde erhalten sind. Seine Schriften und Zeichnungen zur Naturforschung kannten zu seinen Lebzeiten nur wenige. Die eigene Person hat Leonardo da Vinci (1452 – 1519) immer mit einem geheimnisvollen Schleier umgeben. Der Kunsthistoriker Dr. Hans Thomas Carstensen erzählt Kunstgeschichten – und rekonstruiert das Leben und Denken des Universalgenies.

Workshop: Einbruch ins Chemielabor, phӕno, Samstag 19., Sonntag 20., Samstag 26., Sonntag 27. September, jeweils um 14-15 und 16-17 Uhr // Einbruch im phæno Labor! Aber welche Spuren führen zum Täter? Im Workshop stellt sich der Realitätsgehalt der forensischen Fiktion beliebter CSI TV-Serien heraus. Gezeigt werden Methoden, mit deren Hilfe die Teilnehmer auf chemische Spurensuche gehen können. Wie werden Fingerabdrücke sichtbar gemacht? Welche Hinweise könnten die Bodenreste aus den Schuhen des Täters liefern?

360 Grad-Show: Geheimnis Dunkle Materie, Die Jagd nach den Bausteinen des Kosmos, Planetarium Wolfsburg, Samstag, 19. September, 16 Uhr // Rund ein Viertel des gesamten Universums besteht aus einer geheimnisvollen dunklen Materie, doch wir wissen nicht, woraus sie besteht. Das Planetarium führt in das größte Rätsel der Wissenschaft ein und folgt den Forschern bei Beobachtungen, die tief ins All, und tief unter die Erde führen.

Für die Planetariumsproduktion wurden eigens 360 Grad-Filmaufnahmen mit Spezialkameras in Forschungseinrichtungen wie dem großen Teilchenbeschleuniger bei Genf und dem unterirdischen Labor beim italienischen Gran Sasso gemacht. Programmautor Professor Rafael Lang erforscht an der Purdue Universität in Indiana, USA, das Phänomen der Dunklen Materie.

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