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Wolfsburger Stadtrat gedenkt der Opfer des Terrors in Paris

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Wolfsburger Stadtrat gedenkt der Opfer des Terrors in Paris Klaus Mohrs, Oberbürgermeister der Stadt Wolfsburg
Wolfsburger Stadtrat gedenkt der Opfer des Terrors in Paris

Oberbürgermeister Klaus Mohrs verliest persönliche Erklärung

Zu Beginn der 32. öffentlichen Sitzung des Rates der Stadt Wolfsburg am Donnerstag, 18. November, verliest Oberbürgermeister Klaus Mohrs eine persönliche Erklärung:"Liebe Ratsmitglieder, ich möchte den Rahmen dieser Ratssitzung nutzen, um kurz auf die Geschehnisse der vergangenen Tage einzugehen. Die Bilder aus Paris sind nach wie vor allgegenwärtig – und doch fällt es auch heute noch schwer, diese zu begreifen. Wieder einmal waren wir Zeuge. Zeuge einer Schreckenstat, die uns Fassungslosigkeit und Trauer beschert. Der zu verachtende Akt des Terrors führt uns schonungslos vor Augen, dass eine hundertprozentige Sicherheit kaum zu leisten ist; zumindest dann nicht, wenn man das Gut der Freiheit nicht gänzlich aufs Spiel setzen will. Die kurzfristige Spielabsage gestern Abend in Hannover unterstreicht dies. Es sollte ein besonderes Spiel werden, ein Zeichen gegen den Terror; leider konnte dieses Zeichen nicht gesetzt werden.Seit jeher werden Krieg und Terror unter dem Deckmantel der Religion ausgeübt – und an dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass dies kein Problem oder Alleinstellungsmerkmal der Muslime ist! Ganz im Gegenteil: weltweit solidarisieren sich Muslime um zu zeigen, dass der Terror nichts mit ihnen und ihrer Religion gemein hat. Diesen Ansatz müssen wir aufgreifen. Wir dürfen nicht zulassen, dass es als Reaktion auf die Anschläge eine pauschale (Vor-)Verurteilung der Muslime und insbesondere der Flüchtlinge gibt. Ja – zum Teil kamen die Attentäter aus Syrien; wie sich herausstellte wohl auch getarnt als Flüchtlinge. Aber sind jetzt deswegen alle Flüchtlinge potentielle Attentäter? Lautet die pauschale Antwort „macht die Grenzen dicht“? Nein, das kann und darf nicht die Antwort sein. Dies ist nicht mit unseren Grundwerten vereinbar, ist nicht Teil unserer Kultur – weder in Europa, noch in Deutschland oder in unserer Stadt.Die Menschen, die aus Ländern wie Syrien zu uns kommen, suchen Hilfe und Schutz. Sie sind auf der Flucht – auf der Flucht vor Krieg und Terror, auf der Flucht vor der Schreckensherrschaft des IS. Sie fliehen, weil sie keinen anderen Ausweg sehen; ein Leben in einem Islamischen Staat ist für sie keine Option. Aus guten Gründen. Und diese Personen sind jetzt die Bösen? Das Stigma des Terrorismus haftet ihnen an – und dies gilt es zu ändern. Wir sollten niemanden verurteilen. Die Flüchtlinge sind Opfer. Opfer eines Krieges, der seit Jahren tobt. Lasst sie uns nicht ein zweites Mal bestrafen. Lasst uns ihnen helfen. Das, was wir in Paris erlebt haben, ist der Grund, warum diese Menschen zu uns kommen, warum sie flüchten. Sie wollen keinen Krieg, keinen Terror – schon gar nicht im Namen ihrer Religion. Die Ereignisse in Paris sind grausam. Sie zu verarbeiten wird nicht einfach – und doch wird es weitergehen. Die Frage ist, ob wir vielleicht dieses Mal etwas daraus lernen oder ob wir einmal mehr die falschen Schlüsse ziehen. Der Nährboden für rechtsextreme Propaganda ist bereitet – lasst uns nicht auf diesen Zug mit aufspringen. Lasst uns eines vor Augen führen: Niemand will solches Leid erfahren. Leider wird deutlich, dass die gemeinsame Erklärung der christlichen, jüdischen und muslimischen Gemeinde aus dem letzten Jahr als zeitloses Statement angesehen werden muss. Und doch gilt: Viele Menschen haben eine große Sehnsucht nach Frieden und gegenseitiger Achtung – in unserer Stadt, in Deutschland und weltweit.Lassen Sie uns gemeinsam den Opfern des Terrors gedenken."

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